Pentranter Störenfried II

Antwort 18

Gar nicht, 2…Sxf4 ist keine positionelle Drohung. Weiß sollte einfach seine Entwicklung beenden.

Angenommen, Weiß spielt 2.0-0 Sxf4 3.exf4, dann steht es so:

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Weiß hat zwar seinen mächtigen Läufer abgegeben, aber nicht, ohne etwas dafür zu bekommen: Zentrumskontrolle. Das Feld e5 befindet sich fortan in einer eisernen weißen Umklammerung, was es dem Schwarzen schwer bis unmöglich macht, den befreienden Vorstoß …e6-e5 durchzusetzen. Und so lange ihm …e5 verwehrt bleibt, ist der Läufer auf c8 hinter seiner Bauernmasse eingesperrt und wird nicht an der Partie teilnehmen. Der weiße f-Doppelbauer hingegen ist alles andere als eine Schwäche, er sichert dem Weißen Kontrolle über e5 und Druck auf der halboffenen e-Linie.

Weiß hat mehr Raum, steht aktiver und ist besser koordiniert. Unmittelbar plant er, den Damenflügel aufzurollen, während Schwarz keinerlei aktive Pläne umsetzen kann. Weiß hat erheblichen Vorteil.

Die für Weiß angenehme Struktur im Diagramm entsteht häufig aus dem Damengambit, naturgemäß in erster Linie aus Varianten, in denen Weiß seinen Läufer nach f4 statt g5 entwickelt. Wie angenehm sich solche Stellungen für den Weißen spielen, hat sich anno 2017 am Bodensee noch nicht herumgesprochen ist seit den frühen 1920er-Jahren bekannt. Wer eine Schach-Datenbank wie die Megabase nach obiger Struktur durchforstet, der wird unter anderem zahlreiche Partien des vierten Schachweltmeisters Alexander Aljechin finden, der damit manchen seiner vielen Siege eingefahren hat.

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Zeitverschwendung

Elmar Streicher – Felix Eichin, Überlingen, Oktober 2017

Frage 7:

Am Anfang jeder Partie besetzen und beherrschen wir mit unseren Bauern Zentralfelder und öffnen unseren Läufern Diagonalen, über die sie ins Spiel kommen können.

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Elmar hält sich daran, gerade hat er 2.d2-d4 gezogen.

Guter Zug?


Frage 8 (für Profis):

Schwarz hat gerade auf f3 einen Springer geschlagen, jetzt hängt auf beiden Seiten die Dame, und es wird taktisch.

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Weiß kann aus dem nun folgendem Handgemenge mit einem deutlichen Vorteil herauskommen.

Wie geht das?


Frage 9:

Bei Weiß ist einiges schief gelaufen. Schauen wir uns die Stellung an und zählen auf, was Anlass zur Sorge gibt.

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  • Der weiße König ist im Zentrum festgenagelt, während der schwarze sich längst in Sicherheit verkrochen hat.
  • Der Lf1 ist nicht entwickelt, der Sc7 hat sich vergaloppiert, während der Schwarze alle Kräfte ins Spiel gebracht hat.
  • Beide weißen Türme stehen in der Ecke, während Schwarz seine Türme verbunden und bereits die offene d-Linie besetzt hat.
  • Die weißen Figuren stehen versprengt und wirkungslos herum, die schwarzen sind ein Muster für Koordination und Harmonie.

Angesichts dieser Liste ist es kein Wunder, dass Schwarz am Zug sofort gewinnen kann.

Wie?

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Marshall verprügeln II

Antwort 4:

Schwarz hätte erst seinen Bauern auf d5 mittels …e6 (Damengambit) oder …c6 (Slawisch) stützen sollen, bevor er eine Figur entwickelt. 2…Sg8-f6 gibt ohne Not das Zentrum preis.

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Weiß sollte die Einladung annehmen, sich ein perfektes Bauernzentrum e4/d4 zu bauen. Erst schlägt er auf d5, dann folgt e2-e4, und Weiß beherrscht/besetzt alle Zentralfelder, während der Schwarze Zeit verliert, indem er mit seinem Springer herumziehen muss.

Obgleich der schwarze Zug 2…Sf6 nicht so toll ist, hat die Eröffnung einen Namen: die Marshall-Verteidigung, benannt nach dem amerikanischen Schachmeister Frank James Marshall (1877-1944), seinerzeit ein gefürchteter Angriffsspieler. Aber sogar Frank Marshall hat „seine“ Verteidigung nicht mehr gespielt, nachdem er sie 1925 gegen den angehenden Weltmeister Alexander Aljechin ausprobiert hatte und fürchterlich verprügelt worden war.

Tipp für Profis: Nach 1.d4 d5 2.c4 Sf6 3.cxd5 Sxd5 4.e4 Sf6 5.Sc3 e5 schafft es Schwarz doch, sich im Zentrum dagegenzustemmen, und alles ist halb so wild. Aus diesem Grund gilt 4.Sf3! und erst danach e2-e4 als präziser.


Antwort 5:

Ohne Not geben wir unser Läuferpaar nicht her, außer wir bekommen etwas dafür. Und wenn wir schon eine gegnerische Figur gefesselt haben (der schwarze Lb4 fesselte unseren Sc3), dann wollen wir diese Fesselung aufrecht erhalten, um dem Gegner das Leben schwer zu machen.

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Schwarz könnte denken, dass er es immerhin geschafft hat, unsere Struktur zu beschädigen, weil er uns auf c3/c4 einen Doppelbauern verpasst hat (vergleiche Frage 1 und 2). Aber dieser Doppelbauer ist keine Schwäche. Weder ist er isoliert, noch kann Schwarz verhindern, dass wir ihn auflösen (zum Beispiel via c4xd5).


Antwort 6:

Mit dem Läufer auf e5 zurückzuschlagen, sieht natürlicher aus. Von seinem zentralen e5-Posten aus lugt der Läufer in die eh schon geschwächte schwarze Königsstellung, Weiß hat klaren Vorteil. Wenn wir stattdessen mit dem Bauern zurückschlagen, haben wir uns einen verdoppelten e-Bauern eingehandelt, der zudem unseren schwarzfeldrigen Läufer auf g3 einsperrt.

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Und doch ist das hässliche, weniger natürliche d4xe5 der Gewinnzug. Die oben aufgeführten positionellen Erwägungen sind zwar richtig, aber nicht relevant, weil d4xe5 konkret taktisch gut ist. Von e5 aus greift unser Bauer seinen Sf6 an, und nur der deckt seinen g4-Bauern. Zieht der angegriffene Springer, schlägt unsere Dame auf g4 und wird zum Teil unserer Attacke auf den schhwarzen König. Lg3xe5 gäbe Schwarz stattdessen Zeit, mittels …h6-h5 den g4-Bauern zu decken und seinen Laden erstmal zusammenzuhalten.