Der Blübaum-Killer traf einen anderen: Caruanas Französisch-Lehrstunde

Auf Weltklasse-Niveau wird die Französische Verteidigung kaum gespielt, weil es ihr an Solidität fehlt. Auch Anfänger sollten besser die Finger davon lassen, weil Französisch eine heikle Angelegenheit ist. In vielen Abspielen macht Schwarz positionelle Zugeständnisse (wenig Raum, schlechter Läufer) und muss sich auf taktische/dynamische Ideen verlassen, um Spiel zu bekommen. Ein schmaler Grat, von dem der ungeschulte Schachjünger nur allzu leicht herunterpurzelt.

Im schachlichen Mittelbau erfreut sich die Französische Verteidigung ungebrochener Vitalität, vor allem in Deutschland. Fast alle deutschen Großmeister haben „Französisch“ im Repertoire gegen 1.e4. Georg Meier gilt gar als weltweit führender Experte in der Rubinstein-Variante, in der Schwarz (eher untypisch) früh …d5xe4 spielt.

Neulich beim GrenkeClassic musste der deutsche Franzose manchen Härtetest überstehen. Insbesondere Matthias Blübaum glänzte, als er mit den schwarzen Steinen Fabiano Caruanas Steinitz-Franzosen souverän neutralisierte.

caruanayasser.png
Yasser Seirawan schaute Fabiana Caruana staunend über die Schulter: „Das kann doch nicht gut sein, was Fabiano spielt…“

Wie leicht es hätte anders laufen können, zeigt eine Partie aus der gerade beendeten US-Meisterschaft, in der der Weltranglistenzweite seinen Gegner vom Brett fegte. Der hatte ein Abspiel gewählt, das auch Blübaum gelegentlich spielt, von dem der Deutsche aber in der Partie gegen Caruana Abstand genommen hatte. Aus gutem Grund.

Die Partie des WM-Herausforders veranschaulicht, wie sehr sich Schach immer noch entwickelt. Das Konzept, den vermeintlich „guten“ weißfeldrigen Läufer abzugeben, um Zeit zu gewinnen, in Verbindung mit der langen Rochade, die Schwarz geradezu zum Königsangriff einlädt, das ist hochmodernes Schach, wie es so noch vor wenigen Jahren nicht gespielt wurde.

Im Live-Studio in Saint Louis schaute US-Großmeister Yasser Seirawan staunend zu. Der, einst selbst ein Top-Ten-Spieler, konnte kaum glauben, was er sah: „10.0-0-0, das kann doch nicht gut sein…“

 

Caruana, Fabiano (2.804) – Akobian, Varuzhan (2.647)
US-Meisterschaft 2018, Saint Louis

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. e5 Sfd7 5. f4 c5 6. Sf3 Le7 7. Le3 Sc6 8. Dd2

franz1.jpg

Eine Grundstellung des klassichen Steinitz-Franzosen (3.Sc3 Sf6 4.e5), der sich zur Französisch-Hautpvariante gemausert hat. Schwarz kann nun unmittelbar kurz rochieren, kann aber auch erst am Damenflügel aktiv werden, in der Regel mit …a6 und …b5. Letzteres spielt Caruana selbst, wenn er sich für Französisch entscheidet (im Schnellschach oder gegen Spieler unter 2.700).

8… b6

franz2.jpg

Eine Nebenvariante, die unter anderem der Deutsche Matthias Blübaum gelegentlich spielt, wenn er keine Lust auf 8…a6 hat. Und eine kleine Provokation zudem. Eine zentrale Weisheit aus Sicht der Weißen im Steinitz-Franzosen ist ja, dass Weiß nicht lang rochieren darf, so lange Schwarz mit …c4 und …b5-b4 sofort gegen den weißen König losmarschieren kann. Mit 8…b6 statt 8…a6 lädt Schwarz den Weißen zur langen Rochade ein und behauptet, dass dieses Konzept auch noch gilt, wenn Schwarz ein Tempo für den
Angriff am Damenflügel verloren hat, weil er …b7-b6-b5 spielen muss.

9. Lb5

franz3.jpg

Die moderne Fortsetzung, die Schachmeister noch in den 80er-, womöglich 90er-Jahren mit einer hochgezogenen Augenbraue betrachtet hätten. Aber so wie notorische Damenbauer-Spieler mit dem jüngsten Aufkommen des London-Systems lernen mussten, dass man den Lf1 auch nach b5 statt d3 entwickeln kann, müssen auch Französisch-Spieler auf neue Konzepte gefasst sein. Wer weiß, in ein paar Jahren gilt 9.Lb5 womöglich als Widerlegung von 8…b6. Und vielleicht ist das ja genau der Braten, den Blübaum vor seiner Partie gegen Caruana beim Grenke-Chess gerochen hat.

franz4.jpg
Variante nach 12…Dc7: Weiß ist voll mobilisiert und hat jetzt gewaltige Initiative für die geopferte Figur.

(9. O-O-O c4 10. Lxc4!? dxc4 11. d5 exd5 12. Dxd5 Dc7 (12…Lb7 13.e6 gewinnt für Weiß) wäre mindestens interessant und wahrscheinlich ein ziemlicher Schock für den Schwarzen. In der Praxis gab es diese Stellung noch nicht. Das weiße Konzept wäre so ähnlich wie in der Partie: Anstatt den oft im späteren Verlauf der Partie so wichtigen weißfeldringen Läufer unter Verrenkungen auf dem Brett zu halten, gibt Weiß ihn sofort her, um Zeit zu sparen, sich die Koordination zu erleichtern und sofort mobilisiert zu sein. Dass Schwarz wegen …b6 ein wenig Stabilität am Damenflügel eingebüßt hat, spielt dem Weißen in die Karten. 12.Dxd5 kommt mit Tempo, sonst würde die Chose nicht funktionieren. Jetzt genießt Weiß eine mächtige Initiative. Ihm bieten sich nach 12…Dc7 eine Reihe interessanter Fortsetzungen an, vom offensichtlichen 13.e6 über 13.Sb5 nebst 14.e6 und 13.Sd4 bis zu 13.Sg5.)

9… Dc7 10. O-O-O

franz5.jpg

Auch das würden Schachmeister der 80er- und 90er-Jahre nicht gutheißen, wie sich an der Reaktion von Yasser Seirawan bei der Liveübertragung trefflich beobachten ließ. Seirawan versteht das Spiel heute noch besser und tiefer als die meisten anderen, aber 10.0-0-0, „das kann doch nicht gut sein?!“, sagte er ungläubig. Doch, Yasser, kann es, weil Weiß dank Lf1-b5xc6 viel schneller ist als in den Lehrbuchstellungen, in denen Weiß mit 0-0-0 ins Unheil rochiert.

10… a6 11. Lxc6 Dxc6 12. f5 

franz6.jpg

Schwarz hat mit …b6, …Dd8-c7 und …a6 eine Menge Zeit verplempert, nur um sich den weißfeldrigen Läufer des Weißen einzuverleiben. Weiß hat derweil alles entwickelt, und jetzt setzt er als erster einen Hebel an, lange bevor der Schwarze auch nur in die Nähe seines Königs kommt.

12… c4 13. f6!

franz7.jpg

Öffnet Linien für den Angriff und räumt das Feld e5 für den Sf3.

13…gxf6 14. exf6 Lxf6 15. Thf1

franz8.jpg

Die weiße Attacke richtet sich gegen f7.

15… b5

Jetzt, spät, wird der schwarze Gegenangriff zumindest spürbar.

16. Df2

Caruana nahm sich angesichts des zu erwartenden …b5-b4-b3 eine halbe Stunde Zeit, um den besten Weg auszutüfteln, wie er als erster ans Ziel kommt. Immer noch ist das Konzept der beschleunigten Mobilisierung dank Lf1-b5xc6 gegenwärtig. Weder auf f1 noch auf der zweiten Reihe steht dem Weißen ein Läufer im Weg, so dass er unmittelbar auf der f-Linie verdoppeln kann.

16… b4

franz9.jpg

17. Se2

(17. Se4!? war auch eine Option, aber Weiß hat keine Figurenopfer nötig. Sein Angriff rollt auch so, während sich schwarzes …b4-b3xa2 per Kd2 recht einfach entschärfen lässt.)

17… b3 18. Se5

franz10.jpg

Wäre Schach Fußball und würde in Stadien gespielt, dann würde spätestens an dieser Stelle „Jetzt geht’s los!“ aus der Caruana-Fankurve erschallen.

18… Lxe5

Nicht schön, aber was sonst?

(18… bxa2 19. Sxc6 a1D+ 20. Kd2 Dxb2 +- Jetzt liegen Tb1 und Se5 in der Luft. Die schwarze Stellung ist nicht zu halten. Weiß steht mit zwei Minusbauern auf Gewinn.)

19. Dxf7+ Kd8 20. dxe5 bxa2

franz11.jpg

Sieht angesichts des drohenden …a1D nach kräftigem Gegenspiel aus, aber nach…

21. Kd2

…hat Weiß alles unter Kontrolle.

21…Tf8 22. Dxh7 Txf1 23. Txf1

franz12.jpg

Jetzt droht tödlich Se2-d4xe6+.

23… d4

Räumt der Dame das Feld d5.

24. Dg8+ Kc7 25. Sxd4 Dd5 26. Dxe6

franz13.jpg

Nachdem Weiß den kompletten schwarzen Königsflügel eingesammelt hat, wäre er auch mit einem Endspiel glücklich. Während der a2-Bauer keine Gefahr darstellt, wäre das Duo auf h- und g-Linie kaum zu stoppen.

26… Da5+

Die ungleichfarbigen Läufer hielten hinsichtlich eines möglichen Endspiels die kleine schwarze Remishoffnung am Leben, aber jetzt ist es aus. Schwarz übersieht die Kombination 28.Tf7+ nebst Lf4+.

27. c3 Sxe5

franz14.jpg

28. Tf7+! Sxf7 29. Lf4+ Kb7 30. Dxf7+ nebst Matt. Schwarz gab auf.

franz15.jpg

1-0

Advertisements

Als der Weltmeister an Georg Meiers Angelhaken zappelte

Wer gegen schwächere Spieler in eine schlechtere Stellung gerät, aber immer noch gewinnen will, der wandelt oftmals auf einem schmalen Grat. Der Gegner mag ja mit einem Unentschieden zufrieden sein, also gilt es, die Lage kompliziert zu halten, ohne die Verlustgefahr zu vergrößern.

meier
Georg Meier sagte „Call“, als Magnus Carlsen bluffte.

In so einer Situation weicht der bessere Spieler gelegentlich von dem Prinzip ab, immer davon auszugehen, dass sein Gegenüber den besten Zug findet. Und dann wird das vermeintlich vom Glück unbeeinflusste Spiel Schach zu einer Zockerei, bei der selbst Bluffs nicht ungewöhnlich sind.

Wie man beim Schach zockt und blufft, demonstrierte jetzt Magnus Carlsen beim Grenke Classic in Baden-Baden gegen den deutschen Großmeister Georg Meier. Carlsen hatte nach Gewinnchancen gefischt, wo keine waren, und plötzlich zappelte er an Meiers Angelhaken.

Um nicht in ein Endspiel zu geraten, das sich eventuell halten, aber keinesfalls gewinnen lässt, spielte Carlsen mit dem Feuer. In der Hoffnung, dass der von Zeitnot geplagte Meier fehlgreift, hielt er die Partie kompliziert, obwohl er sich damit sehenden Auges in Verlustgefahr begab.

Beinahe wäre er bestraft worden. Georg Meier callte Carlsens Bluffs und spielte trotz gnadenlos heruntertickender Zeit den Weltmeister an die Wand. Am Ende blieben ihm 90 Sekunden, um die entscheidende Mattkombination zu finden. Meier rechnete die richtige Variante, hatte das erste von zwei erforderlichen Turmopfern auf dem Radar, fand aber das zweite mit folgendem Matt nicht. Und entschloss sich, das Remis zu nehmen, um nicht doch noch zu straucheln.

Nach der Partie gab sich der Deutsche dennoch selbstbewusst. Allzu traurig über die verpasste Chance sei er nicht, gab Meier zu Protokoll: „Das war bestimmt nicht die letzte.“

Meier, Georg (2.636) – Carlsen, Magnus (2.843)
Grenke Chess Classic 2018, Runde 5

26… g5

meiercarlsen1.jpg

Ein Zug, den Carlsen in erster Linie rausgehauen hat, um seinen Gegner zu erschüttern. „Ein Bluff, sonst nichts“, sagte der Weltmeister nach der Partie über 26… g5, das vermeintliche Ambitionen am Königsflügel andeutet. „Aber die ganze Chose ist bei knapper Zeit schwierig zu bewerten. Und ich habe keine forcierte Variante gesehen, die zu weißem Vorteil führt.“

Da war dem Champion allerdings etwas entgangen. Weiß hat einen Zug, der forciert zu Vorteil führt.

27. hxg5

Nicht schlecht. Statt Schwarz bekommt bald Weiß Spiel am Königsflügel, aber Weiß konnte noch besser spielen.

27. f4! Sieht ein bisschen krumm aus, und auf den ersten Blick scheint es, als ob Schwarz nach 27…Dh3 vorentscheidend in die weiße Königsstellung eindringt. Aber nach dem teuflischen kleinen Zug 28.Tf2! offenbart sich, dass der schwarze König viel größere Probleme hat. Die g-Linie darf Schwarz nicht aufgehen lassen, aber wenn er das nicht tut, dann folgt Th2 nebst hxg5, und Weiß gewinnt. Also bleibt dem Schwarzen nichts anderes als 27… gxh4, aber nach 28.g4 gleicht seine Struktur einem Trümmerfeld. Weiß hat großen Vorteil

27…Dxg5 28. Kg2 Tc7 29. Th1 Tg7

meiercarlsen2.jpg

Jetzt droht …Txf2+.

30. Tcg1 Df5 31. Tf1 La6

meiercarlsen3.jpg

Mit nur noch zehn Minuten auf der Uhr hätte 31…La6 Georg Meier wie ein Blitz aus heiterem Himmel treffen können. Der Läufer ist natürlich tabu. Nach 32.Lxa6?? Df3+ 33.Kh2 gewinnt Schwarz mit einem Standard-Manöver, Turm hoch und aus: 33… Tg6 nebst …Th6 und Matt.

Meier blieb cool und demonstrierte Carlsen die beste Fortsetzung, die auch der Norweger gesehen und sich dennoch wieder fürs Zocken entschieden hatte. „Klar, 31… La6 funktioniert nicht richtig, aber was sollte ich machen?!“, lamentierte Carlsen nach der Partie.

32. b5 cxb5

meiercarlsen9.jpg

33. Th5!

Stark gespielt von Meier! 33.axb5? Lxb5 bringt nichts, aber nach 33.Th5 gefolgt von 34.De5 hält Weiß den Schwarzen am Königsflügel im Würgegriff und beäugt zugleich dessen wackelige Zentrumsbauern. Neben dem Angriff gegen den schwarzen König schafft sich Weiß obendrein die angenehme Option, in ein Endspiel abzuwickeln, dass Schwarz angesichts seiner schwächelnden Bauern kaum wird halten können.

33…Df7 34. De5

meiercarlsen10.jpg

34…Lb7

Auf das trostlose Endspiel nach 34… bxc5 35. Qxd5 Qxd5 36. Rxd5 Bb7 37. Rxc5 bxa4 hatte Carlsen keine Lust, also hält er Figuren auf dem Brett, deckt erstmal d5 und lauert auf Schummelchancen.

35.cxb6 bxa4 36. bxa7 La8

meiercarlsen11.jpg

Schwarz will per …Dxa7 den a7-Bauern einsacken und hofft, mit seinem Freibauern auf der a-Linie Gegenchancen zu kreieren. Aber währenddessen läuft der Angriff gegen seinen König weiter. Objektiv ist 36…La8 ein Fehler, Weiß steht spätestens jetzt auf Gewinn. „Dass 36… La8 suizidverdächtig ist, habe ich gefühlt, aber 38.Lg4! war mir entgangen“, erklärte Carlsen nach der Partie.

37. Tg5 Dxa7 38. Lg4!

meiercarlsen6.jpg

Jetzt droht 39.Le6+ nebst Th1, Einschlag auf h7 und Matt.

38… Kh8

Nur so entgeht Schwarz seiner unmittelbaren Exekution. Nach etwa 38… a3 39. Be6+ Kh8 40. Rh1 droht Txh7 nebst Matt, und es gibt keine Verteidigung.

meiercarlsen12.jpg
Doppeltes Turmopfer mit Matt: 42.Th6+!! war beiden Spielern entgangen.

Nun hatte Meier noch 90 Sekunden auf der Uhr, und wie Carlsen rechnete er folgende Variante: 39. Rh1 Qe7 40. Rxh7+ Kxh7 41. Rh5+ Kg6 (41… Kg8 42. Be6+ usw.) und sah nicht, wie Weiß weiterkommen soll. Beiden Kontrahenten war (Diagramm) 42. Rh6+!! nebst Matt entgangen. Was für eine Gelegenheit: doppeltes Turmopfer gefolgt von Matt gegen den Weltmeister. Aber da Meier den forcierten Gewinn nicht sah, entschied er sich für den Spatz in der Hand. Lieber erstmal den schwarzen a-Bauern eliminieren, bevor die Angelegenheit vollends nach hinten losgeht.

39. Ta1

Nur führt das zu einem totremisen Endspiel.

39… De7 40. Dxg7+ Dxg7 41. Txg7 Kxg7 42. Txa4 Bc6 43. Rb4

meiercarlsen8.jpg

Und die Luft war raus. Meier bot Remis an, Carlsen akzeptierte sofort.

1/2-1/2

GrenkeChess-Rückschau: Als Caruanas Geheimwaffe Georg Meier traf

Meier, Georg (2.648)  – Caruana, Fabiano (2.784)

Grenke Chess Classic, 3. Runde, 2. April 2018

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. Lxc6 dxc6 5. O-O 

meiercaruana1.jpg

Die Grundstellung der spanischen Abtauschvariante. Schwarz kann an dieser Stelle zwischen einem halben Dutzend bewährter Züge wählen.

5… Df6

Sieht ein wenig krumm aus, blockiert es doch dem Sf6 sein natürliches Entwicklungsfeld und öffnet sich nach dem zu erwartenden d2-d4 für Lc1-g5 mit Angriff auf die Dame.

6. d4 exd4 7. Lg5

meiercaruana2.jpg

Nur steht der Läufer hier gar nicht gut. Nun erst, da ihn Schwarz nach g5 gelockt hat, zieht die Dame auf das „normale“ Feld d6, auf das sie schon im fünften Zug hätte gehen können.

7… Dd6 8. Sxd4 Le7

meiercaruana3.jpg

Indem er den vorwitzigen Lg5 befragt, bringt Schwarz schnell seine Figuren ins Spiel, die Idee von 5…Df6.

9. Le3 Sh6

meiercaruana4.jpg

Springer am Rande bringt Kummer und Schande? Im Prinzip schon, aber Schwarz will sich nicht den f-Bauern verstellen und wird in der Folge oft mit …f7-f5 Spiel am Königsflügel organisieren, insbesondere dann, wenn Weiß mit f2-f3 sein Zentrum stützt. Gleichwohl war auch 9…Sg8-f6 eine gute Möglichkeit.

10. Dd2

Der einzige Spieler der erweiterten Weltklasse, der diese Stellung mit den weißen Steinen schon einmal auf dem Brett hatte, ist Arkadij Naiditsch…

10… g5

meiercaruana5.jpg

…und für genau den hatte Fabiano Caruana vor vier Jahren die Tretmine 10…g7-g5 ausgeheckt, aber seitdem nicht aufs Brett bekommen. Schwarz geht unmittelbar auf den weißen König los.

11. Sf3 Tg8

Meier hätte hier mit 12.Dxd6 eine Art Notbremse ziehen können, aber dann wäre Schwarz aller Probleme ledig, mehr als das sogar. Stattdessen entscheidet sich der  deutsche Großmeister für den prinzipiellen Zug und nimmt den Kampf an.

12. h4

meiercaruana6.jpg

Auch Schwarz kann mit 12…f7-f6 erst einmal stehenbleiben, weiterhin Damentausch offerieren und die Partie in ruhigere Fahrwasser führen. Aber das wäre so gar nicht im Sinne des hyperaggressiven 10…g7-g5. Caruana steckt einen Bauern ins Geschäft und setzt auf Königsangriff.

12… Dg6 13. hxg5 Sg4 14. Sc3 h6

meiercaruana7.jpg

Soll der schwarze Angriff durchschlagen, müssen am Königsflügel Linien aufgehen.

15. Lf4 Le6 16. Lxc7 Tc8 17. Lb6

meiercaruana8.jpg

Weiß hat drei Züge investiert, um sicherzustellen, dass der schwarze König im Zentrum festgenagelt bleibt. Aber wie soll er den unter Druck setzen? Am Drücker ist nur Schwarz, und der Lb6 beäugt zwar d8, spielt aber ansonsten nicht mit, erst Recht, sobald Schwarz …c6-c5 zieht

17… hxg5 18. Se2 c5 19. Sg3 Th8 20. Tfd1 Dh6

meiercaruana9.jpg

Die schwarze Dame-Turm-Batterie auf der h-Linie sieht furchterregend aus, aber so lange der Weiße h1 kontrolliert, ist nicht viel los – das eiskalte Urteil der Maschine. Meier fiel es angesichts der massierten gegnerischen Kräfte vor seinem Monarchen schwer, eiskalt zu bleiben.

21. b4

meiercaruana10.jpg

Objektiv betrachtet, ist das kein guter Zug, eher eine Panikreaktion. Aber der Weiße erreicht in der Folge sein Ziel: der ausgeschlossene Lb6 spielt wieder mit, und Caruana verpasst manche beste Fortsetzung. Dennoch bleibt die Initiative auf Seiten des Schwarzen, und das ist gerade in beiderseitiger Zeitnot ein Riesenvorteil.

21… cxb4 22. Ld4 f6 23. c3 bxc3 24. Lxc3

meiercaruana11.jpg

Wenn Weiß jetzt noch Ta1-c1 spielen dürfte, würde sich plötzlich auch der schwarze Monarch unwohl fühlen. Angesichts dieser Drohung macht Caruana den vermeintlich natürlichen Zug, verbindet seine Türme, stellt den König sicher.

24…Kf7

24… Sh2! lag schon lange in der Luft und hätte an dieser Stelle gewonnen, aber nur, wenn der Schwarze es schafft, unfallfrei durch ein kaum zu durchschauendes Variantendickicht zu navigieren.

25. Rac1 Rc4 26. Bd4 b5 27. Qa5

Auf der verzweifelten Suche nach Gegenspiel. Aber am Damenflügel Bauern einzusammeln, während auf der anderen Seite des Brettes der eigene König unter Feuer steht, ist keine gute Idee.

27… Nh2 28. Qxa6?

meiercaruana15.jpg

Erst das ist der Fehler. 28. Se1! und Weiß hält.

28… Sxf3+ 29. gxf3 g4 30. f4 Dxf4 31. Txc4 bxc4 32. Le3 Df3!

meiercaruana16.jpg

Plant schon Th8-h3xg3+.

33. Td6 Th3 34. Txe6

meiercaruana12.jpg

Die nun folgende Abwicklung bis 37…D2-f1+ hatte Meier gesehen, aber ihm war entgangen, dass sich danach der Le7 tödlich in den Angriff einschaltet.

34… Txg3+ 35. fxg3 Dxe3+ 36. Kh2 Df2+ 37. Kh1 Df1+

meiercaruana13.jpg

nebst Matt in zwei nach 38.Kh2 Dh3+ 39.Kg1 Lc5#. Meier gab auf.

0-1

Ein paar Meter weiter erlebte der sichtlich geschockte Matthias Blübaum ein Déja-vu gegen Magnus Carlsen. Wie schon in der ersten Runde trat unerwartet auf g4 ein Gaul nach ihm aus, als sich Blübaum am Ende einer forcierten Abwicklung auf dem Weg zu einem sicheren Remis wähnte.

meiercaruana14.jpg

Nach 29… Lxc6 oder … bxc6 wäre nichts los gewesen, aber jetzt gerät der weiße König noch in Bedrängnis. Nach 30.Dg3 Dc5+ 31.Kf1 Se3+ 32.Ke2 Sf5 und erst dann 33…Dxc6 musste der Weiße noch lange um den halben Punkt kämpfen.

Aber Blübaum fing sich, führte nach dem Unentschieden gegen Fabiano Caruana auch die Partie gegen Magnus Carlsen mit präziser Verteidigung zum Remis und war im Turnier angekommen.

Auf Augenhöhe mit der Weltklasse? Französische Theorieduelle

Als dem Schachbund vor zehn Jahren auffiel, dass ein deutscher Weltklassespieler unseren Sport voranbringen würde, gründete er die Prinzen, eine Gruppe herausragender Talente, die fortan gezielt gefördert wurden. Womöglich hatten die Funktionäre auch die deutsch-französische Freundschaft im Blick und verpflichteten den Nachwuchs, gegen 1.e2-e4 so oft wie möglich die Französische Verteidigung zu spielen?

Jedenfalls sind die Prinzen erwachsen geworden, und seit Jahren schon verbindet sie ihre Liebe zum Französischen. Das gilt auch für den Vorzeige-Prinzen Matthias Blübaum und dessen Großmeisterkollegen Georg Meier, die beiden deutschen Teilnehmer des Grenke Classic. Meier bevorzugt zwar den eher untypischen Rubinstein-Franzosen (Schwarz spielt früh …d5xe4), gilt darin aber als weltweit führender Experte.

Partien gegen Weltklassespieler bedeuten für ihre Gegner oft einen verschärften Test ihrer Eröffnungskenntnisse. Dass beim Grenke-Turnier die deutschen Franzosen manchem theoretischen Ansturm würden widerstehen müssen, das war abzusehen.

In Runde zwei ging das los, als Nikita Vitiugov gegen Georg Meier und Fabiano Caruana gegen Matthias Blübaum jeweils 1.e2-e4 zogen. In beiden Partien stand prompt 1…e7-e6 auf dem Brett, aber dann trennten sich bald die Wege.

Vitiugov fragte Meier in der Vorstoßvariante ab (1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5), Fabiano Caruana testete Blübaums Kenntnisse in der Steinitz-Variante des klassischen Franzosen (1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e5).

Meier sah sich bald mit einer Neuerung konfrontiert:

franz1.jpg

8.b4-b5 hatte in dieser Stellung noch kein Spieler internationalen Formats probiert, was aber auch damit zusammenhängen mag, dass die Idee, den Springer c6 nach a5 zu treiben, dem Weißen nicht allzu viel verspricht, womöglich gar dem Schwarzen hilft, Spiel am Damenflügel zu organisieren.

Meier hielt seinen Laden ordentlich zusammen, geriet dann aber nach und nach in ein erst schwieriges und dann mehr als heikles Endspiel, in dem sich die seltene Konstellation ergab, dass sein Läuferpaar gegen Vitiugovs Springer nichts zu bestellen hatte. Kurz vor dem Ende sah es so aus:

franz2.jpg

Läuferpaar, Turm auf der zweiten Reihe – auf den ersten Blick könnte man meinen, dass einige Faktoren für die schwarze Stellung sprechen. Tun sie aber nicht. Der Th2 steht in erster Linie weitab vom Kampfgeschehen, das am Damenflügel tobt, wo der weiße b-Freibauer machtvoll seiner Verwandlung entgegenstrebt.

Das Läuferpaar leidet unter einem arg limitierten Wirkungsradius und findet keinen Weg, den von seinen Springern mächtig unterstützten Freibauern zu stoppen. Obendrein erfreut sich Weiß schon seit einigen Zügen des prächtigen Stützpunkts d6, von dem aus ein einmal dort eingepflanzter Springer den Schwarzen erheblich belästigt.

Die Diagrammstellung ist schon nicht mehr zu halten, Meier gab bald auf.

Matthias Blübaum drohte nach seiner Erstrundenniederlage ein Desaster, denn in Runde zwei und drei würden der WM-Herausforderer und der Titelträger auf den jungen Großmeister warten.

Als sich Fabiano Caruana auf Blübaum vorbereitete, wird er diese Stellung aus dem Steinitz-Franzosen auf dem Brett gehabt haben:

franz3.jpg

Und er wird gesehen haben, dass Blübaum in dieser Stellung 8…b7-b6 zu ziehen pflegt:

franz4.jpg

Was immer Caruana darauf vorbereitet hatte, Blübaum kam der Präparation des WM-Herausforders zuvor, indem er dieses Mal 8…a7-a6 zog, bald gefolgt von …b7-b5.

Anstatt angeschlagen vom Knockout in Runde 1 gegen den Weltranglistendritten unter Druck zu geraten, spielte Blübaum zügig und entschlossen, während Caruana viel Zeit verbrauchte. Der Amerikaner war dem Deutschen in seine häusliche Vorbereitung gelaufen, nicht andersherum.

Für Blübaum ein normaler Tag im Büro

Auf dem Brett sah es zwar so aus, als würde Caruana einen Angriff am Königsflügel inszenieren können, aber das hatte Blübaum alles daheim geprüft und für harmlos befunden. Nach 21.f4-f5 war der Deutsche immer noch in seiner Vorbereitung, und seine größte Herausforderung bestand in der Gedächtnisleistung, sich daran zu erinnern, wie sich hier das weiße Spiel neutralisieren lässt.

franz5.jpg

Diesen Gedächtnistest bestand Blübaum mit Bravour, knöpfte Caruana ein ungefährdetes Remis ab und tankte Selbstvertrauen für das Duell mit Magnus Carlsen am nächsten Tag.

Im Interview danach stellte Blübaum die Partie gegen Caruana als normalen Tag im Büro dar: „Manchmal läuft es halt gut, und Du bekommst Deine Variante aufs Brett.“ Und dann ist selbst für die Weltbesten nichts zu holen.

Ausruhen oder Aufwärmen? Was Carlsen und Caruana von Blübaum und Meier lernen können

caruana
American hero: Fabiano Caruana nach dem Gewinn des Kandidatenturniers

Wie dosieren wir unsere Praxis vor einem wichtigen Turnier? Einerseits wollen wir ja nicht eingerostet ans Brett gehen, andererseits nicht ausgepowert. Magnus Carlsen und Fabiano Caruana bereiten sich in dieser Hinsicht sehr unterschiedlich auf ihr WM-Match im November vor.

Der Weltmeister hat sich seinen Terminkalender bis zur Titelverteidigung randvoll gepackt. Bei vier großen Turnieren (Grenke, Shamkir, Norway, Biel) hat er zugesagt. Wahrscheinlich wird er im Oktober die Europäische Mannschaftsmeisterschaft spielen; außerdem dürfte es ihm schwer fallen, die norwegische Nationalmannschaft bei der Schacholympiade Ende September in Georgien im Stich zu lassen. Carlsen wird im Lauf des Jahres so oft am Brett sitzen, dass kaum Zeit bleibt für ein mehrwöchiges Trainingslager zur WM-Vorbereitung, geschweige denn für etwas Urlaub.

Caruanas Pläne sind nicht so transparent, was damit zusammenhängen mag, dass er bis November längere Auszeiten einplant. Direkt nach dem Kandidatenturnier schwärmte der Amerikaner von seinem Trainingslager in Miami, das eine ideale Vorbereitung gewesen sei. Wahrscheinlich schwebt ihm für das WM-Match ein ähnliches Modell vor.

Schafft Blübaum den Durchbruch zur Weltklasse? Jetzt wäre eine gute Gelegenheit.

So oder so, schon Ostern werden Weltmeister und Herausforderer beim Grenke Classic in Karlsruhe antreten, gleich in der ersten Runde am Samstag. Abseits ihrer Partien können C&C am Beispiel der beiden deutschen Teilnehmer studieren, welches Maß an Praxis zur Vorbereitung taugt.

Matthias Blübaum hat sich vor Karlsruhe eine Auszeit genommen, für Georg Meier ist das Grenke Classic das Finale eines Schach-Marathons.

blübaum
Matthias Blübaum

Blübaum hat zugunsten des Karlsruher Turniers auf die jüngst beendete Europameisterschaft verzichtet und damit auf die Chance, sich für den hoch dotierten World Cup zu qualifizieren. Seit dem Tata-Steel-Turnier in Januar hat er sich auf die Vorbereitung fokussiert, um in Karlsruhe im Feld der Weltklassespieler zu bestehen.

Als Jugendlicher war Blübaum  selbst Weltklasse, stets ganz oben in den Ranglisten seiner Altersgenossen platziert. Im April wird Blübaum 21, sein Elo stagniert seit einem Jahr, und der Begriff „Talent“ hat sich bald verbraucht. Wenn noch ein Durchbruch Richtung 2.700 und darüber hinaus kommen soll, dann ist es an der Zeit. Ein Turnier als Elo-Außenseiter gegen Carlsen, Caruana, Aronian wäre eine treffliche Gelegenheit, neu durchzustarten.

meier
Georg Meier

Georg Meier (30) ist als Großmeister mal knapp dies-, mal knapp jenseits der Top 100 etabliert. „Georg is a serious guy“, sagte Magnus Carlsen neulich über den Deutschen, als der ihn bei einem Online-Mannschaftsturnier beharkte – eine Respektsbekundung.

Meier hat als Vorbereitung zum Grenke-Turnier die Praxis vorgezogen. Erst elf Runden bei der Europameisterschaft auf der Jagd nach dem World-Cup-Ticket, von dort direkt nach Karlsruhe und neun weitere knüppelharte Partien gegen Weltklassespieler.

Beim Grenke Classic wird sich zeigen, ob der ausgeruhte Blübaum oder der  aufgewärmte Meier eher von ihrer Vorbereitung profitieren. Vielleicht ziehen die WM-Kontrahenten Schlüsse daraus.

Verpatzte Generalprobe mit der Leib- und Magen-Eröffnung

Als gutes Omen kann Meier den Verlauf der Europameisterschaft deuten, wenn denn das alte Sprichwort zutrifft, dass auf eine verpatzte Generalprobe stets eine gelungene Premiere folgt. 12 Elo-Punkte ließ Meier in Georgien und war schon zur Mitte des Turniers mehr oder weniger raus aus dem Rennen um die World-Cup-Plätze.

Stellvertretend für seine enttäuschende Performance steht eine Niederlage, die Meier in der vorletzten Runde ereilte. Nicht nur nahm sein Gegner eine Anleihe bei Vladimir Kramniks …Tg8 aus dem Kandidatenturnier, obendrein erwischte es Meier in der Rubinstein-Variante des Französischen, der Eröffnung, als deren führender Experte er gilt.

Semen Lomasov – Georg Meier, Europameisterschaft Batumi 2018

meier1.jpg

Die Rochaden zu verschiedenen Seiten kündigen schon an, dass es mittelfristig scharf zugehen wird. Wahrscheinlich wird sich ein Wettrennen um den Skalp des gegnerischen Königs ergeben.

Der Ukrainer Vassily Iwantschuk hat in dieser Stellung vor fünf Jahren erst einmal seinen König in Sicherheit gebracht, 13. Kb1. Aber da kannte er ja auch noch nicht die Partie Aronian – Kramnik aus Berlin 2018.

In Meiers Partie meldete der Weiße mit 13.Thg1 à la Kramnik unmittelbar Ambitionen in Richtung schwarzer König an. g4 nebst Mattangriff soll folgen. Aber nach 13… Sd7

meier2.jpg

…zog Weiß 14.Lg3. Das sieht putzig aus, blockiert es doch den g-Bauern, der sich gerade erst zum Vormarsch bereit gemacht hat. Aber auf f4 wird der Läufer viel wirksamer aufgestellt sein, um den kommenden Angriff zu unterstützen. Außerdem steht Weiß etwas freier, hat etwas mehr Raum, also hält er Material auf dem Brett, um der auf drei Reihen zusammengepressten schwarzen Armee nicht die Koordination zu erleichtern.

Nach 14… a6 15.Kb1 b5 16. Lf4 Ld5 17.g4

meier3.jpg

rollte Weiß los, und Meier wusste sich nicht anders zu helfen, als sich per 17… g5 der weißen Attacke entgegenzustemmen. Das lockert freilich die schwarze Königsstellung erheblich, und Schwarz geriet sehr bald in arge Not. 14 Züge später warf Meier das Handtuch. Beim Grenke Classic kann es nur besser werden.

Magnus‘ kalte Pasta

Dem Weltmeister über die Schulter schauen, mitzufühlen, wenn er über schlechte Züge flucht oder sich an guten erfreut, das ist selbst in Zeiten der Schach-Streams und Liveübertragungen eine Besonderheit. Insofern war das, was gestern Nachmittag auf Twitch zu sehen war, ein Schach-Bonbon von besonderer Qualität. Magnus Carlsen spielt drei Stunden lang live gegen starke Großmeister und kommentiert dazu. (Update: Magnus‘ Live-Stream ist jetzt auch auf Jon-Ludvig Hammers Youtube-Kanal zu sehen.)

magnus live.jpg

In der „Pro Chess League“, einem weltweiten Online-Turnier, saß Magnus Carlsen am Schreibtisch seines Kumpels Jon Ludvig Hammer für die „Norway Gnomes“ am virtuellen Brett. Acht Schnellpartien absolvierte er, unter anderem gegen den deutschen Großmeister Georg Meier und den französischen Top-10-Spieler Maxime Vachier-Lagrave, und erklärte dabei tausenden von Zuschauern seine Gedanken. Derart abgelenkt (außerdem lief nebenbei Fußball), darüber hinaus kulinarisch unterversorgt (Jon Ludvigs Spaghetti waren kalt), zeigte Carlsen nicht sein bestes Schach. Aber er bot beste Unterhaltung und manch instruktiven Moment.

„Wo kann ich das sehen?“, fragt Ihr Euch jetzt. „Auf Jon Ludvig Hammers Twitch-Kanal, aber nur als Abonnent“, ist die Antwort. Wem 4,99 Dollar für ein Abo zu viel sind, dem kann geholfen werden, wenn er Amazon-Prime-Kunde ist, denn als solcher hast Du ein Twitch-Abo frei. Jon Ludvig Hammers Kanal wäre dafür nicht die schlechteste Wahl.