Pläne, Raum, Strukturen: Strategie, ein weites Feld (II)

Wenn die gegnerischen Bauern eine unserer Figuren aus dem Spiel nehmen, weil sie ihr jegliche Perspektive verweigern, dann müssen wir umgruppieren.

Das Phänomen kennt Ihr, seitdem wir im Beitrag „strategisches Geplänkel“ erörtert haben, auf welche Weise Doppelbauern oft „statisch stark“ (und dynamisch schwach) sind.

„Statisch stark“ bedeutet in erster Linie, dass die Doppelbauern als Kontrolleure wichtiger Felder wertvolle Dienste leisten, indem sie einfach bleiben, wo sie sind. Dazu gab es ein Diagramm, das Dir aus dem oben verlinkten Beitrag bekannt vorkommen sollte:

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Oft ist c3 das natürliche Entwicklungsfeld für den Springer b1. Hier nicht. b5 und d5 sind unter Kontrolle des Schwarzen, daher sollte der Weiße anderswo eine Aufgabe für seinen Springer suchen.

Antwort 45:

In der Stellung aus Martins Partie sieht das ähnlich aus. Der Springer f3 ist in Ermangelung von Feldern arbeitslos:

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Darüber hinaus schreit die Stellung förmlich danach, den Springer auf ein typisches Feld zu überführen, von dem aus er kraftvoll in die schwarze Stellung wirken wird:

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Der Gaul gehört nach c4. Das Manöver Sf3-d2-c4 im Zusammenspiel mit a2-a4(-a5) ist fast immer erforderlich in Benoni-ähnlichen Strukturen, in denen Weiß auf c2-c4 verzichtet hat. Von c4 aus beäugt der Springer den potenziell schwachen d6-Bauern und verhindert im Zusammenspiel mit dem Bauern a4 eine schwarze Expansion am Damenflügel.

Kann der schwarze sich nicht am Damenflügel ausbreiten, dann bietet sich ihm kaum eine aktive Idee. Er wird sich darauf konzentrieren müssen, auf der e-Linie Leicht- und Schwerfiguren zu tauschen, um sich zu entlasten, aber kein eigenes Spiel aufziehen können.

Wer weniger Raum hat, der will Figuren tauschen, um sich zu entlasten und die Koordination zu erleichtern. Wer Raumvorteil hat, der will Abtäusche vermeiden und dem Gegner Entlastung verwehren.

Mit Sf3-d2-c4 gibt es ein notwendiges Manöver, das weit oben auf der Agenda des Weißen stehen sollte, aber einen klar besten Zug gibt es nicht. Weiter unten auf der Agenda stehen ja noch andere Sachen. Stockfish zum Beispiel schlägt 1.h2-h3 vor. Das antizipiert ein schwarzes …Sf6-h5, sichert dem Lf4 die Diagonale h2-b8 und verhindert obendrein …Lc8-g4, was eine Idee für Schwarz wäre, sich zu entlasten.

Was immer Weiß tut, eines muss er vermeiden: das Feld d2 blockieren, denn das braucht der Sf3 als Brücke, um nach c4 zu gelangen. Darum war 1.Dd1-d2 zwar nicht ideenlos, aber dennoch schlecht.

Antwort 46:

Rausprügeln auf e5, na klar. Das Bauernendspiel ist leicht gewonnen, ein einfacher Fall aus der Abteilung „Abwickeln in ein gewonnenes Bauernendspiel“.

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Wenn Schwarz mit dem d-Bauern zurückschlägt, ist es sofort aus. Weiß hat zwei Freibauern, einen auf der d- und (bald) einen auf der h-Linie. Diese beiden brauchen nicht einmal die Unterstützung ihres Königs, um zur Grundlinie durchzulaufen.

Wenn zwei Freibauern zwei oder mehr Linien voneinander entfernt sind, laufen sie alleine durch.

Wenn Schwarz mit dem f-Bauern zurückschlägt, ist es auch aus, dauert aber ein wenig länger. Um den weißen h-Bauern aufzuhalten, muss der schwarze König am Königsflügel ausharren. Der weiße König läuft derweil bis b5, sammelt dort ein paar schwarze Bauern ein und hilft schließlich seinem d-Freibauern, sich zur Dame zu verwandeln.

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Pentranter Störenfried II

Antwort 18

Gar nicht, 2…Sxf4 ist keine positionelle Drohung. Weiß sollte einfach seine Entwicklung beenden.

Angenommen, Weiß spielt 2.0-0 Sxf4 3.exf4, dann steht es so:

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Weiß hat zwar seinen mächtigen Läufer abgegeben, aber nicht, ohne etwas dafür zu bekommen: Zentrumskontrolle. Das Feld e5 befindet sich fortan in einer eisernen weißen Umklammerung, was es dem Schwarzen schwer bis unmöglich macht, den befreienden Vorstoß …e6-e5 durchzusetzen. Und so lange ihm …e5 verwehrt bleibt, ist der Läufer auf c8 hinter seiner Bauernmasse eingesperrt und wird nicht an der Partie teilnehmen. Der weiße f-Doppelbauer hingegen ist alles andere als eine Schwäche, er sichert dem Weißen Kontrolle über e5 und Druck auf der halboffenen e-Linie.

Weiß hat mehr Raum, steht aktiver und ist besser koordiniert. Unmittelbar plant er, den Damenflügel aufzurollen, während Schwarz keinerlei aktive Pläne umsetzen kann. Weiß hat erheblichen Vorteil.

Die für Weiß angenehme Struktur im Diagramm entsteht häufig aus dem Damengambit, naturgemäß in erster Linie aus Varianten, in denen Weiß seinen Läufer nach f4 statt g5 entwickelt. Wie angenehm sich solche Stellungen für den Weißen spielen, hat sich anno 2017 am Bodensee noch nicht herumgesprochen ist seit den frühen 1920er-Jahren bekannt. Wer eine Schach-Datenbank wie die Megabase nach obiger Struktur durchforstet, der wird unter anderem zahlreiche Partien des vierten Schachweltmeisters Alexander Aljechin finden, der damit manchen seiner vielen Siege eingefahren hat.

Strategisches Geplänkel II

Antwort 14:

Nummer 14 war eine Fangfrage. Wichtig ist zu verstehen, dass der Springer mit nur einem Zug kein gutes Feld erreichen kann. Das gilt auch für das natürliche Feld c3, auf dem wir in der Eröffnung unseren Springer meistens guten Gewissens abstellen können. Hier nicht.

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c3 ist eine Sackgasse, der Springer stünde ohne Wirkung herum, weil der schwarze Bauer auf c6 sämtliche Felder im schwarzen Lager kontrolliert, auf denen der Springer lästig werden könnte.

(Für Profis: Die schwarze Struktur illustriert ein Konzept, das in den 1920er-Jahren der lettische Schachmeister Aaron Nimzowitsch (1886-1935) erstmals formuliert hat: Oft sind Doppelbauern statisch stark und dynamisch schwach. Hier ist die verdoppelte c7/c6-Kombo in erster Linie statisch stark, weil sie zentrale Felder kontrolliert und die Aktivität des weißen Springers eindämmt. Dynamisch schwach mögen die Bauern auch sein (mehr dazu in Antwort 13), aber Schwarz hat gar nicht vor, sie zu bewegen. Für den Moment soll sein Damenflügel so stehenbleiben, wie er ist. Alles unter Kontrolle.

Nimzowitschs legendäres Strategie-Lehrbuch „Mein System“ hat Generationen von Schachspielern Grundlagen vermittelt und sie ein Leben lang begleitet. Seinerzeit markierte das Buch einen revolutionären Meilenstein, weil viele der darin beschriebenen Konzepte unbekannt waren. Aus heutiger Perspektive sind manche von Nimzowitschs Ausführungen mit Vorsicht zu genießen, aber das Doppelbauer-Konzept „statisch stark, dynamisch schwach“ trifft den Nagel auf den Kopf.)

Würde Weiß seinen Springer fragen, wohin er sich orientieren will, dann würde der ihm wahrscheinlich fürs erste das Feld e3 nennen. Von dort aus böten sich die meisten Perspektiven, am ehesten ein Sprung nach f5 nebst weiterem Vorgehen am Königsflügel.

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Aber das ist nicht in Stein gemeißelt. Vielleicht endet der Springer auch auf a5, um den dynamisch schwachen schwarzen Damenflügel aufzuweichen. Oder auf g4. Wer weiß das schon, das hängt auch davon ab, wie Schwarz weiter vorgeht, und ob Hebel wie f2-f4 oder d3-d4 Teil unseres Plans sind. Hauptsache, wir stellen sicher, dass unser Gaul flexibel bleibt, anstatt ihn auf c3 verkümmern zu lassen.


Antwort 15:

Soll er doch kommen mit seinem b-Bauern. …b5-b4 würde uns in die Karten spielen.

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Noch einmal die Kernaussagen von Antwort 12:

  • Auf c3 steht unser Springer eh bescheiden.
  • Die schwarze Bauernmasse am Damenflügel ist dynamisch schwach.

Und schon ist klar, dass uns schwarzes Vorgehen am Damenflügel nicht bedroht, im Gegenteil. Speziell nach dem Zug …b5-b4 käme zur dynamischen sogar eine statische Schwäche der schwarzen Bauernmasse, ein Struktur-Desaster. Alles, was wir zu tun hätten, wäre, einen „ewigen Springer“ auf c4 einzupflanzen. Der wäre von Schwarz nicht zu vertreiben und würde höchst wirksam ins schwarze Lager strahlen, so lange wir das wollen. Schwarz würde niemals Durchbrüche am Damenflügel erzielen können, er wäre dazu verdammt, passiv seinen Laden irgendwie zusammenzuhalten.

Dazu käme die nun deutlich spürbare Schwäche des schwarzen Läufers. Die Stellung wäre blockiert, die schwarzen Bauern auf schwarzen Feldern festgelegt und der Läufer zu Passivität verdammt. Ein Musterbeispiel dafür, wie in blockierten Stellungen die Springer den Läufern überlegen sind.


Antwort 16:

Wenn wir dem Gegner etwas wegnehmen können, dann lohnt es sich stets, genauer hinzuschauen. In diesem Fall bedienen wir uns mit Vergnügen auf e5 und planen, uns weiter durchzufressen.

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Von e5 aus bedroht unser Springer schließlich seinen Bauern c6, und den nehmen wir gerne auch noch mit. Nach 18.Sg4xe5 Le7-f6 19.Se5xc6 Lf6xb2 haben wir einen Bauern gewonnen.

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(Für Profis) Wer genau rechnet, der findet jetzt anstatt der profanen Lösung 20.Ta1-a2 (was unseren a3-Bauern deckt) mit weißem Vorteil das raffiniertere 20.Ta1-b1!. Nach 20…Lb2xa3 21.Tb1-b3 hat der schwarze Läufer keine Felder mehr, 21…b5-b4 ist erzwungen (21…La3-b4 22.c2-c3 verliert eine Figur). Nun wird unser Springer genüsslich nach c4 zurückkehren, sich auf a3 bedienen, und wenig später wird dem Schwarzen auf der a-Linie ein weiterer Bauer verloren gehen. Weiß gewinnt.

Marshall verprügeln

Stephan Lipphaus – Constantin Schirowski, Überlingen, Oktober 2017

Frage 4:

Am Anfang bringen wir unsere Figuren ins Spiel, meistens erst die Springer, dann die Läufer.

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Schwarz hält sich daran, gerade hat er 2….Nf6 gespielt.

Alles richtig gemacht also?


Frage 5:

Schwarz hat gerade …Lxc3+ gespielt, und uns wird nichts anderes übrig bleiben, als auf c3 zurückzuschlagen und einen Doppelbauern in Kauf zu nehmen.

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Ein schlauer Zug von Schwarz?


Frage 6:

Die Schlacht tobt, und es sieht so aus, als hätten wir ordentliche Aussichten, einen Angriff gegen die arg aufgeweichte schwarze Königsstellung zu inszenieren. Aber erst einmal müssen wir ein konkretes Problem lösen.

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Schwarz hat auf e5 einen Springer geschlagen, um seinen lahmenden Gaul gegen unseren stolz im Zentrum platzierten abzutauschen. Jetzt müssen wir auf e5 zurückschlagen.

Wie machen wir das am besten?

Zu den Antworten geht’s hier

Marshall verprügeln II

Antwort 4:

Schwarz hätte erst seinen Bauern auf d5 mittels …e6 (Damengambit) oder …c6 (Slawisch) stützen sollen, bevor er eine Figur entwickelt. 2…Sg8-f6 gibt ohne Not das Zentrum preis.

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Weiß sollte die Einladung annehmen, sich ein perfektes Bauernzentrum e4/d4 zu bauen. Erst schlägt er auf d5, dann folgt e2-e4, und Weiß beherrscht/besetzt alle Zentralfelder, während der Schwarze Zeit verliert, indem er mit seinem Springer herumziehen muss.

Obgleich der schwarze Zug 2…Sf6 nicht so toll ist, hat die Eröffnung einen Namen: die Marshall-Verteidigung, benannt nach dem amerikanischen Schachmeister Frank James Marshall (1877-1944), seinerzeit ein gefürchteter Angriffsspieler. Aber sogar Frank Marshall hat „seine“ Verteidigung nicht mehr gespielt, nachdem er sie 1925 gegen den angehenden Weltmeister Alexander Aljechin ausprobiert hatte und fürchterlich verprügelt worden war.

Tipp für Profis: Nach 1.d4 d5 2.c4 Sf6 3.cxd5 Sxd5 4.e4 Sf6 5.Sc3 e5 schafft es Schwarz doch, sich im Zentrum dagegenzustemmen, und alles ist halb so wild. Aus diesem Grund gilt 4.Sf3! und erst danach e2-e4 als präziser.


Antwort 5:

Ohne Not geben wir unser Läuferpaar nicht her, außer wir bekommen etwas dafür. Und wenn wir schon eine gegnerische Figur gefesselt haben (der schwarze Lb4 fesselte unseren Sc3), dann wollen wir diese Fesselung aufrecht erhalten, um dem Gegner das Leben schwer zu machen.

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Schwarz könnte denken, dass er es immerhin geschafft hat, unsere Struktur zu beschädigen, weil er uns auf c3/c4 einen Doppelbauern verpasst hat (vergleiche Frage 1 und 2). Aber dieser Doppelbauer ist keine Schwäche. Weder ist er isoliert, noch kann Schwarz verhindern, dass wir ihn auflösen (zum Beispiel via c4xd5).


Antwort 6:

Mit dem Läufer auf e5 zurückzuschlagen, sieht natürlicher aus. Von seinem zentralen e5-Posten aus lugt der Läufer in die eh schon geschwächte schwarze Königsstellung, Weiß hat klaren Vorteil. Wenn wir stattdessen mit dem Bauern zurückschlagen, haben wir uns einen verdoppelten e-Bauern eingehandelt, der zudem unseren schwarzfeldrigen Läufer auf g3 einsperrt.

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Und doch ist das hässliche, weniger natürliche d4xe5 der Gewinnzug. Die oben aufgeführten positionellen Erwägungen sind zwar richtig, aber nicht relevant, weil d4xe5 konkret taktisch gut ist. Von e5 aus greift unser Bauer seinen Sf6 an, und nur der deckt seinen g4-Bauern. Zieht der angegriffene Springer, schlägt unsere Dame auf g4 und wird zum Teil unserer Attacke auf den schhwarzen König. Lg3xe5 gäbe Schwarz stattdessen Zeit, mittels …h6-h5 den g4-Bauern zu decken und seinen Laden erstmal zusammenzuhalten.

Strukturschwächen

Constantin Schirowski – Arno Dirksen, Überlingen, Oktober 2017

Frage 1:

Früh den König in Sicherheit zu bringen, ist generell eine gute Idee, eines der wichtigsten Prinzipien in der Eröffnung.

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Arnos hat Gegner diese Idee befolgt, indem er 0-0 spielte.

Ein guter Zug also?


Frage 2:

Ob ein Doppelbauer stark oder schwach ist, das ist oft nicht so leicht zu beurteilen. Aber wenn es sich wie hier um einen isolierten Doppelbauern handelt, ist die Lage fast immer eindeutig.

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Die armseligen Gesellen auf c3 und c4 können einander nicht decken, und Schwarz wird zumindest den Bauern auf c4 früher oder später erobern, denn der kann nicht einmal von einem Turm auf der c-Linie gedeckt werden.

Wie sollte sich Schwarz aufstellen, um dem isolierten Doppelbauern zuleibe zu rücken?


Frage 3:

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Arno, getrieben von der Sorge, dass sich auf d5 ein weißer Turm einnistet, hat gerade …c7-c6 gezogen, um das Feld d5 zu kontrollieren.

Was halten wir davon?

Strukturschwächen II

Antwort 1:

Schach wäre viel einfacher, wenn fundamentale Konzepte wie „möglichst früh rochieren“ immer und überall gelten würden. Leider streiten meistens mehrere Konzepte darum, welches gerade das wichtigste ist. Manchmal widersprechen sie einander, manchmal sind die konkreten Umstände dringender als allgemeine Erwägungen. So wie hier.

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Natürlich möchte Weiß seinen König in Sicherheit bringen, aber genauso wenig möchte er sich seine Struktur zertrümmern lassen. Schwarz droht, dem Weißen mittels …Sxc3 (oder …Lxc3, aber unser Läuferpaar geben wir nicht so gerne her) auf c3/c4 einen isolierten Doppelbauern zu verpassen. Die unmittelbare Aufmerksamkeit des Weißen sollte dieser Drohung gelten. Er sollte erst Ld2 zu spielen, um auf c3 mit einer Figur zurückzuschlagen und die Struktur intakt zu halten. Rochieren kann der Weiße danach immer noch.

Antwort 2:

Für den Schwarzen ist hier nichts in Stein gemeißelt. Nach der verfrühten weißen Rochade steht er schon so bequem, dass er jetzt die Qual der Wahl hat. Gleichwohl sollte er an dieser Stelle eine typische schwarze Aufstellung zumindest kennen und erwägen.

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Wenn Weiß sich auf c3/c4 einen Doppelbauern eingehandelt hat und diesen nicht auflösen kann, dann neigt speziell der schlecht zu verteidigende Bauer auf c4 zur Schwäche. Schwarz sollte nun zwei Ideen verfolgen:

  • Seine Kontrolle über das Feld c5 zementieren, so dass Weiß der befreiende Vorstoß c4-c5 verwehrt bleibt.
  • Den Schwächling c4 mit möglichst vielen Kräften unter Feuer nehmen.

Die grünen Pfeile zeigen, wie das geht: …b6 kontrolliert das Feld c5, gibt dem Lc8 den Weg nach a6 frei und kontrolliert außerdem das Feld a5, so dass dort ein schwarzer Springer nicht ungedeckt herumstehen würde. Ein Läufer auf a6 und ein Springer auf a5 würden eine kaum zu beherrschende Batterie gegen den weißen c4-Bauern bilden. So haben es schon Dutzende von Meistern gespielt, kann so verkehrt nicht sein.

Klar, den Läufer könnten wir auch nach e6 bringen und von dort gegen c4 drücken, aber wir wollen ja unserem Turm nicht die e-Linie versperren. Und klar, Springer am Rande bringt Kummer und Schande, aber manchmal überlagern halt die konkreten Umstände allgemeine Erwägungen, siehe oben.

Antwort 3:

Wir rümpfen die Nase, wenn wir …c7-c6 sehen. Mit nur einem Zug macht sich Schwarz sein schönes strukturelles Plus kaputt, indem er sich einen rückständigen Bauern einhandelt, eine kaum zu reparierende Schwäche.

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Anstatt die weiße Schwäche c3/c4 mittels …b7-b6 festzulegen und zu beäugen, schenkt Schwarz dem Weißen ein Zielobjekt, auf das er nun seine Kräfte konzentrieren kann. Fortan steht der Weiße nicht mehr hilflos herum, er hat jetzt Gegenspiel.