Vorsicht, Grautöne und Nebengeräusche: die Lehre vom schlechten Läufer

Die Lehre vom schlechten Läufer ist ein heißer Kandidat für das überstrapazierteste aller Schach-Konzepte, etwa gleichauf mit dem Abtauschgebot für Spieler, die Material gewonnen haben.

Das Konzept ist vermeintlich einfach zu verstehen: Sind Bauern auf der Farbe des Läufers festgelegt, macht das den Läufer schlecht, weil die Bauern seinen Wirkungskreis beschränken. Das gilt vor allem, wenn Bauern im Zentrum festgelegt sind.

Wer sein Schachbuch aufschlägt, um sich das Thema genauer anzuschauen, der wird bald bestätigt in der Annahme, dass die Angelegenheit ganz einfach ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird im Schachbuch die berühmte Partie Sir George Alan Thomas – Alexander Aljechin, gespielt in Baden-Baden 1925, zu finden sein. Dort stand es nach 37 Zügen so:

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Ein glasklarer Fall ohne Grautöne und Nebengeräusche. Der Läufer des Weißen ist zum Großbauern degradiert. Er verharrt passiv hinter seinen Bauern, die Aljechin auf den schwarzen Feldern festgelegt hat.

Aljechin
Alexander Aljechin

Für den Moment hält der Weiße seinen Laden zusammen, aber er kann nichts weiter tun als zuzuschauen, wie die schwarzen Figuren seine Bastion umschwirren und mal hier, mal da einen Nadelstich setzen. Wie Aljechin immer neue Wege fand, den Druck nach und nach zu vergrößern, bis der Weiße kollabierte, gilt heute als Lehrbeispiel für so ein Szenario.

Sind Bauern(ketten) im Zentrum auf der Farbe des Läufers festgelegt, ist eine entscheidende Frage, ob der Läufer vor die Bauernkette gelangen kann oder dahinter eingesperrt bleibt. Davon hängt zum Beispiel in Stonewall-Strukturen oft ab, wie die Stellung zu bewerten ist.

vorsicht

Leider lässt sich beim Schach eine Position und ihre Bewertung selten auf ein Konzept reduzieren. Meistens spielen mehrere eine Rolle, und dann tritt gelegentlich der Fall ein, dass laut Buch zwar ein „schlechter Läufer“ auf dem Brett steht, das Konzept aber allenfalls eine Randerscheinung ist.

Hier zum Beispiel:

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Die Stellung sollte Dir bekannt vorkommen. Sie stammt aus der Partie Winter – Capablanca, die wir unlängst gesehen haben, um das Konzept der eingesperrten Figur zu beleuchten.

Oberflächlich betrachtet hat sich der Schwarze einen schlechten Läufer eingehandelt, alle Bauern sind auf Schwarz festgelegt. Aber wer genauer hinschaut, der sieht, dass sich vor allem der Weiße einen Minusläufer eingehandelt hat. Der arme Geselle auf g3 spielt schlicht nicht mit, und Schwarz erfreut sich am Damenflügel einer Mehrfigur. Tatsächlich steht Weiß auf Verlust.

Oder hier:

Sergej Karjakin – Ding Liren, Kandidatenturnier 2018

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Schachfreund Ding Liren hat gerade mit …g7-g5 noch einen Bauern auf die Farbe seines Läufers gestellt. Obendrein ist die Stellung blockiert, insofern könnten wir annehmen, dass der Springer des Weißen dem schlechten Läufer des Schwarzen erst recht überlegen ist.

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Ding Liren

Nur ist die Stellung so blockiert, dass am Damenflügel und am Zentrum nichts mehr geht. Nur am Königsflügel mag noch die eine oder andere Dynamik aufflammen, und wenn dort jemand die Initiative übernehmen und Angriff bekommen sollte, dann der Schwarze.

Obendrein bedarf es für den weißen Springer diverser Klimmzüge, um auf sein Traumfeld d5 zu gelangen. Aber sobald er da steht, wird ihn der vermeintlich schlechte Ld8 wirksam kontrollieren. Jedes Feld im schwarzen Lager, auf das der Springer springen könnte, bestreicht der Schwarze mit seinem Läufer.

Was auf den ersten Blick aussieht, als habe sich der Schwarze eine strategisch minderwertige Stellung eingehandelt, ist tatsächlich höchst unklar. Weiß muss präzise vorgehen, um die schwarzen Ambitionen am Königsflügel zu neutralisieren. In der Partie geriet Karjakin gar in Verlustgefahr.

Oder hier:

Jürgen Lerner – Manfred Siems, Überlingen 2018

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Der Schwarze hat sich redlich Mühe gegeben, jeden Anflug von Aktivität zu vermeiden, ebenso wie es der Weiße vermieden hat, ihn dafür energisch zu bestrafen. Noch hat Weiß ein bisschen Raumvorteil, aber der Schwarze hat mehrere Optionen, eigenes Territorium abzustecken, in erster Linie …e6-e5.

Der La8 ist zwar hinter seinen Bauern eingesperrt, aber noch stehen sich die Phalanxen flexibel gegenüber, so dass ungeklärt ist, ob der Läufer als schlechter Läufer enden wird, oder ob sich ihm womöglich die lange Diagonale öffnet, auf der übers Brett strahlen könnte.

Frage 66

Wenn Weiß hier noch etwas reißen will, nachdem er dem Schwarzen per Turmtausch Entlastung gewährt hat, dann muss er jetzt aufhören, verschämt auf seiner Bretthälfte hin- und herzuziehen, und endlich mal einen Pflock einschlagen.

Welchen?

Frage 67

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Huch, e5 hängt.

Wie geht’s weiter?

Frage 68

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Ach ja, wir wollten die künftige Rolle des La8 definieren.

Wie geht das?

Frage 69

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Bevor wir die schwarze Bastion erstürmen und/oder die Schwächen des Schwarzen belagern, müssen wir erstmal auf c5 zurückschlagen.

Wie?

Frage 70

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Schwarz blockiert unseren gedeckten Freibauern und will sich ein wenig Luft verschaffen.

Wie?

Und wie verhindern wir das?

Zu den Antworten geht’s hier

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Gelungenes Einschwimmen im Moskauer Schach-Stahlbad (II)

Wer hat nicht schon orientierungslos am Brett gesessen, einen Plan gesucht und sich gefragt, an welchem Flügel er nun losmarschieren soll. Jemanden zu fragen, der sich auskennt, ist während einer Partie natürlich streng verboten. Aber oft müssen wir das gar nicht, weil wir die Antwort auf unsere Frage vor der Nase haben.

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Großmeister Rasmus Svane.

Die Struktur gibt die Richtung vor.

Das gilt natürlich nicht immer, aber oft dann, wenn sich Bauernketten ineinander verkeilt haben. In solchen Fällen können wir uns unsere Bauernkette als Pfeil vorstellen, der die Richtung anzeigt, in die unser Angriff laufen sollte.

Rasmus Svanes Partie aus der zweiten Runde des Aeroflot-Open war ein schönes Beispiel. (Über seine Partien aus den folgenden Runden decken wir den Mantel des Schweigens.)

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Die Bauern d5/e4 zeigen an, wo es lang geht: in Richtung weißer König. Dank des geschlossenen Zentrums und des vorgerückten e-Bauern hat der Schwarze am Königsflügel mehr Raum zu manövrieren, und der Weiße wird seine Kräfte nicht so schnell zur Verteidigung heranführen können. Obendrein feuert das schwarze Läuferpaar schon aus allen Rohren gegen die weiße Königsstellung. Da geht was.

Antwort 55

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1…Lc8xh3! Rumms! Die Stellung schrie förmlich nach diesem Einschlag, und er führt tatsächlich zum Gewinn. Allerdings muss Schwarz nach 2.g2xh3 De7-g5+ 3.Kg1-h1 die Feinheit 3…Ta8-c8! mit der tödlich-raffinierten Drohung …Lc7-h2 erspäht haben.

Antwort 56

Turm hoch und aus, „rook up and over“, es geht ganz typisch weiter. Was neulich Schachfreund Ramadan in der Bezirksklasse Bodensee vorgeführt hat, das funktioniert auch ein paar Ligen höher beim Aeroflot-Open in Moskau.

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1…Te8-e6!, gefolgt vom Turmschwenk nach g6, setzt den schwarzen Angriff entscheidend fort.

Antwort 57

Zum Abschluss der Glanzpartie ein Finale für die Galerie.

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1…Th3-h1+! und Weiß gab auf, weil nach 2.Kg1xh1 g3xf2 der f-Bauer zur Dame wird.

Die vier Gebote der Eröffnung (II)

Antwort 29

Als erstes sollte den Schwarzspieler die Option anspringen, seinen potenziell schlechten weißfeldrigen Läufer zu entwickeln. Wer seine Bauern auf den weißen Feldern festlegt so wie hier der Schwarze, der sollte eine Idee haben, wie er seinen weißfeldrigen Läufer ins Spiel bringt, um ihn nicht hinter seinen Bauern einsperren zu müssen. Hier hat der Weiße dem Schwarzen auf dem Silbertablett eine Gelegenheit serviert, den Lc8 kräftig mitspielen zu lassen.

Edwin Thiebe – Klaus Grensing, Überlingen, November 2017

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3…Lc8-f5 sieht verlockend aus. Nachdem sich Weiß mit 3.f2-f4 die Möglichkeit genommen hat, das Zentralfeld e4 mit Bauern zu kontrollieren, würde ein schwarzer Läufer auf f5 betonen, dass Weiß Probleme mit der Kontrolle dieses Feldes hat. Spielt Weiß Lf1-d3, hat Schwarz gegen einen Abtausch der weißfeldrigen Läufer nichts einzuwenden, schließlich ist der weißfeldrige Läufer eine zentrale Figur im Konzept des Weißen, der alle seine Bauern auf die schwarzen Felder gestellt hat.

3…Lc8-g4 ist ebenfalls ein guter Zug. Dagegen muss Weiß entweder per 4.Lf1-e2 den Abtausch der Läufer zulassen oder per 4.Sg1-f3 seinen Springer in eine Fesselung stellen. Sollte er später mit h2-h3 den Lg4 belästigen, hat Schwarz auch gegen einen Abtausch auf f3 nichts einzuwenden. In einer tendenziell blockierten Stellung wie dieser sind Springer stark, und auch das Einpflanzen eines Gauls auf e5, gefolgt von einem Vormarsch am Königsflügel, ist wesentlicher Teil des weißen Konzepts.

Ob 3…Lc8-f5 oder 3…Lc8-g4, beide Züge fahren dem Weißen ordentlich in die Parade, sie machen es ihm schwer, eine wirksame Aufstellung zu finden. Er wird nicht einfach einen Läufer nach d3 und einen Springer nach e5 beordern können, dann die Dame zum Königsflügel bringen und gegen den kurz rochierten schwarzen König losmarschieren, so wie er es tun würde, sollte Schwarz seinen Lc8 mit …e7-e6 einschließen.

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Schwarz hat weitere schöne Optionen, er muss sich an dieser Stelle noch nicht festlegen. Er könnte auch mit 3…c7-c5 am weißen Zentrum knabbern, gefolgt von 4…Sb8-c6. Oder er spielt 3…g7-g6, bereitet die Entwicklung des Lf8 vor und hält zugleich seinem Lc8 alle Möglichkeiten offen.

Und das führt uns direkt zu

Antwort 30

und einem (moderat fortgeschrittenen) Eröffnungskonzept: Flexibilität.

Rekapitulieren wir kurz, was in der Eröffnung zu tun ist:

Die vier Gebote der Eröffnung

  • Leichtfiguren entwickeln, oft erst die Springer, danach die Läufer
  • Zentrum beherrschen
  • Den König in Sicherheit bringen
  • Gelegentlich dem Gegner dazwischenfunken

Wer sich nur an diese vier Gebote hält, wird automatisch gute Eröffnungszüge spielen. Wir könnten nun feststellen, dass 3…e7-e6 ein schlampiger Zug ist, weil er ohne Not den Lc8 einsperrt und folglich das erste Gebot einzuhalten schwierig macht. Aber 3…e7-e6 verstößt noch gegen ein weiteres Gebot:

  • Optionen offen halten

3…c7-c5 oder 3…g7-g6 wären konstruktive Züge, die uns im Zentrum voranbringen und/oder unsere Entwicklung beschleunigen. Die Optionen …Lc8-f5 oder …Lc8-g4 (viertes Gebot!) bleiben offen, Schwarz bleibt flexibel, er kann später entscheiden, von wo aus der Lc8 dem Weißen dazwischenfunken soll.

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3…e7-e6 nimmt dem Schwarzen Optionen und schenkt dem Weißen ohne Not einen perfekten Stonewall. Während der Lc8 eingesperrt ist, wird der Weiß Lf1-d3 spielen, Sg1-f3-e5, 0-0, und dann kann er sich am Königsflügel ausbreiten, ohne dass ihm der Schwarze dazwischengefunkt hätte.

Antwort 31

Der Schwarze hat erkannt, dass seine Chancen eher am Damenflügel liegen, während der Weiße eher am Königsflügel angreifen wird. Leider zieht er die falschen Schlüsse daraus und hilft wieder einmal dem Weißen.

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Vordergründig betrachtet, gewinnt …c5-c4 ein wenig Raum. Vor allem aber legt es die Stellung auf absehbare Zeit fest. Schwarz wird ewig brauchen, bis er zum Beispiel …b7-b5-b4xc3 gespielt hat und dann Spiel gegen den c3-Bauern (die „Basis der Bauernkette„, Aaron Nimzowitsch) oder auf der b-Linie organisiert hat. Weiß kann sich derweil ungestört ausbreiten, entweder e3-e4 durchdrücken und/oder am Königsflügel vorangehen. …c5-c4 macht die Partie zu einem Spiel auf ein Tor.

…a7-a6 in Verbindung mit …c5-c4 ergibt keinen Sinn, der Zug verliert Zeit, sonst nichts. …b7-b5 kann Schwarz auch so spielen, und auf a6 leistet der Bauer nichts.

In guter Gesellschaft: Stockfish hat neulich denselben Fehler gemacht

Wir könnten jetzt zu einem langen Vortrag ansetzen, wie schlecht …c5-c4 ist, aber das haben wir neulich schon, als im Match AlphaZero versus Stockfish Letzterer in einer ähnlichen Stellung den Stümperzug …c5-c4 ausführte und sich für absehbare Zeit jeglichen Gegenspiels beraubte.

Wer nicht so recht einsehen mag, wie schlecht …c5-c4 ist, dem sei die Lektüre dieser Partieanalyse empfohlen: Französisches Desaster für Stockfish gegen AlphaZero.

Wer generell Strukturen und die dazugehörigen Pläne ein bisschen besser verstehen möchte, der begibt sich in ein Buchgeschäft seiner Wahl und kauft das großartige „Chess structures – a grandmaster guide“ von Großmeister Mauricio Flores Rios. Die Rezension auf dem nicht minder großartigen Youtube-Kanal von IM John Bartholomew findet sich hier.

Antwort 32

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1.Sd4xb5! gewinnt Material

Antwort 33

 

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Schwarz ist am Drücker, aber Weiß kann einen versteckten Rettungsanker auswerfen. Nach 1.Th6xh7!! bleibt er in der Partie. Zum Beispiel nach 1…Kg8xh7 2.Df2-h4+ Tg5-h5 hat er 3.Dh4xd8, das war nicht ganz einfach zu sehen.

Mit den Figuren sprechen II

Antwort 21

Oleg Baur – Conrad Schormann, Dezember 2017

Nicht viel ist gut bei Weiß. Sein stabiler Stonewall garantiert ihm zwar, dass seine Stellung nicht so schnell auseinanderfliegt, aber abgesehen davon steht jede seiner Figuren schlecht, im Gegensatz zu den schwarzen. Das latent problematische Feld e4 das Weiß, wie wir schon gelernt haben, stets bestreichen sollte, ist in der Hand des Schwarzen, dessen Läufer tief ins gegnerische Lager schaut.

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Schachlehrer empfehlen ihren Schülern häufig, mit ihren Figuren zu sprechen, um zu erkunden, ob sie zufrieden sind oder auf bessere Plätze geführt wollen. Probieren wir das mal aus und befragen

  • den Lg3: „Ist ja nett, dass Du versucht hast, mich vor die Bauernkette zu führen, anstatt mich dahinter versauern zu lassen. Aber von g3 aus kann ich nicht viel machen, der f4-Bauer steht mir im Weg. Hier kann ich nur etwas ausrichten, wenn Schwarz doof genug ist, …e6-e5 zu ziehen.“
  • den Sf3: „Klar, f3 sieht aus wie mein natürlicher Posten, aber schau doch bitte mal nach e5 und g5. Schwarz hat alle meine Felder unter Kontrolle, so geht das nicht weiter. Hier kann ich nur etwas ausrichten, wenn Schwarz doof genug ist, …e6-e5 zu ziehen.“
  • den Tf2: „Was ist denn f2 bitte für ein Feld? Hier bewirke ich nun wirklich gar nichts, eingesperrt in einen Klumpen von Figuren. Etwas ausrichten kann ich hier nur, sollte die f-Linie aufgehen, und dafür müsste Schwarz doof genug sein, …e6-e5 zu ziehen.“
  • den Le2: „Ist Dir vielleicht neu, aber ich gehöre auf die Diagonale b1-h7, wenn ich ein wenig Kraft ausstrahlen und e4 im Auge behalten soll. Jetzt gehört die Diagonale dem Schwarzen, und ich stehe hier passiv rum.“

Ähnliche Beschwerden wären wahrscheinlich auch von der Dd2 und dem Ta1 zu erwarten, aber lassen wir das. Die Botschaft ist klar genug. Den weißen Truppen mangelt es an Aktivität und Koordination.

Antwort 22:

Als Schwarz 1…e6-e5 zog, brachen im weißen Lager Jubelstürme aus. Flugs zog der Weiße 2.f4xe5 f6xe5 3.Ta1-f1.

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Alle Figuren, die sich eben noch so bitterlich beklagt haben, spielen plötzlich wieder mit. Hätte Schwarz die Aufgabe gehabt, den Zug zu finden, der dem Weißen maximal hilft, dann wäre …e6-e5 großartig gewesen. So aber verschenkt es jeglichen Vorteil.

Antwort 23:

Natürlich hat Weiß das nicht übersehen. Es droht ja Db7-f7+ nebst Df7xe8 und Turmgewinn.

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Trotzdem hätte er ein bisschen weiter denken müssen. Schwarz kann die weiße Drohung ignorieren. Nach 1…h5xg4 2.Db7-f7+ Kg8-h7 3.D7xe8 gxh3 steht Schwarz auf Gewinn.

Die Steinmauer II

Antwort 20

Siegfried Oswald – Sergej Pokrovski, November 2017

Davon halten wir gar nichts, rümpfen die Nase und senden einen misbilligenden Blick übers Brett.

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Auf c7 hat der schwarze Springer nun wirklich nichts verloren. Von dort aus entfaltet er keinerlei Aktivität, guckt lediglich in seine eigene Bauernkette. Wahrscheinlich steht er auf c7 noch schlechter als auf seinem Ausgangsfeld, und Schwarz investiert zwei wertvolle Tempi, um ihn auf diesen trüben Posten zu überführen.

Dass Schwarz sich im Stonewall schwarzfeldrig schwächt, wissen wir schon. Auch die zentrale Bedeutung des Feldes e5, das Schwarz nie unbeaufsichtigt lassen sollte, haben wir kennengelernt. Welche Figur eignet sich wohl am besten dafür, e5 im Blick zu behalten? Genau, der Springer auf b8. Das Pferd gehört nach d7, klarer Fall.

Allerdings sind Umstände denkbar, unter denen der Entwicklungszug …Nb8-a6 tatsächlich Sinn ergibt, nämlich dann, wenn der Weiße sein Feld b4 geschwächt hat. In Sergejs Partie stand es wenige Züge später so:

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Weiß hat a2-a4 gezogen, um über a3 die schwarzfeldrigen Läufer zu tauschen. Das ist eine gute Idee, aber er kann fortan das Feld b4 nicht mehr kontrollieren. Schwarz hat sich sofort mit …a7-a5 dagegen gestemmt und sich auf eben diesem Feld einen wunderbaren Vorposten für eine seiner Figuren geschaffen.

Auf c7 steht der schwarze Springer immer noch dumm herum, aber jetzt hat er eine Perspektive. Schwarz spielte …Sc7-a6, pflanzte danach seinen Gaul auf b4 ein, und die Mienen der Zuschauer hellten sich merklich auf.