Wer Thomas Cieslik ist und was Henning Geibel von ihm wissen will

Wenn du nicht mit offenen Wunden dastehst, kann niemand den Finger reinlegen. Einfaches Konzept, wir haben das neulich beim Pähtz-Interview schon in anderem Zusammenhang besprochen.

Jetzt hat beim Schach-Ticker ein Briefschreiber gleich mehrere Finger in mehrere Wunden gelegt. Aua. Manch bohrende Frage stellt Schach-Senior Henning Geibel hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit des DSB und mischt genüsslich noch eine gehörige Portion Polemik in seinen Katalog.

Ein paar seiner Fragen können wir beantworten, bei anderen erahnen wir die Antwort, zu wieder anderen finden wir die Antwort schon fertig anderswo im Netz. Also machen wir das mal. Vielleicht mag jemand Herrn Geibel ein paar Auszüge aus dem Internet aufs Faxgerät legen? Die Links liefern wir im Folgenden gerne.

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Das Schild beim Kongress in Magdeburg zeigt es an: Links von DSB-Präsident Ullrich Krause sitzt Thomas Cieslik. (Foto: Deutscher Schachbund)

„Wer ist Thomas Cieslik?“

Diese Frage steht über allem, und sie ist berechtigt. Schließlich ist der Mann seit über einem halben Jahr Referent für Öffentlichkeitsarbeit, aber öffentlich niemals in Erscheinung getreten. 

Der Schreiber dieser Zeilen hat Thomas Cieslik kennengelernt, mittlerweile ist das mehr als ein halbes Jahr her: Workshop Öffentlichkeitsarbeit des DSB Ende 2018, an dem Cieslik als designierter Referent für Öffentlichkeitsarbeit teilnahm. Ein engagierter, der Sache verbundener, freundlicher, ideenreicher, eher stiller Mann. Ciesliks Vita und Ideen finden sich hier (Seite 8 von 9). (Edit, 24. Juli: Der DSB hat die Seite mit den Kandidatenvorstellungen beim Kongress, darunter die von Cieslik, gelöscht. Im Netz ist sie trotzdem noch, hier klicken (Seite 8 von 9).

In seinem Krefelder Verein hatte Cieslik einiges bewegt. Nun begann sein beruflicher Ruhestand, und wahrscheinlich dachte er, er könne jetzt unmittelbar zum Wohle des Schachs losarbeiten. 

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Auszug aus dem Schachticker. Henning Geibel schreibt sonst eher offene Briefe, die ein wenig nach Kaiserzeit anmuten. Dieses Mal übt er sich in Polemik.

Mit einer ähnlich naiven Annahme war ich zum Workshop gefahren. In den Monaten zuvor, speziell während der Schacholympiade, hatte ich die Öffentlichkeitsarbeit als eine Aneinanderreihung verpasster Chancen und kleiner Desaster wahrgenommen. Der Grund dafür lag auf der Hand: Den Handelnden im täglichen Klein-Klein fehlt das Handwerkszeug, um Schach ins Gespräch zu bringen. Es müsste sie erst einmal jemand in die Lage versetzen, damit es nicht mehr Tag für Tag so weh tut, dem Output auf den Kanälen etwa des US-Verbands denjenigen des deutschen Verbands gegenüberzustellen. 

Nach erfolgtem Umzug an den Bodensee würde ich Anfang 2019 ein wenig Zeit haben, also hatte ich angeboten zu helfen. Jeden Tag ein, zwei Stündchen mit draufschauen, Themen aufzeigen, Kanäle analysieren, Medienarbeit, sieben Tage die Woche. Nicht gratis, aber für einen Schachfreundschaftspreis, den ich so absurd niedrig angesetzt hatte, dass es aus Sicht des DSB ein No-Brainer sein sollte. Dachte ich.

Aber so einfach geht das nicht und schon gar nicht von heute auf morgen, das hat mittlerweile wahrscheinlich auch Thomas Cieslik bemerkt. Workshops beim DSB führen nicht unmittelbar zu Handlungen, sondern zu seitenlangen Konzeptpapieren, die weitgehend ohne Effekt im Apparat versickern. Dazu kommen Zuständigkeitsfragen. Am 14. Juni hätte Henning Geibel auf dieser Seite lesen können:

Öffentlich wahrnehmbar ist der Verband kaum, an dafür Zuständigen mangelt es ihm nicht. Der DSB hat jetzt einen Vizepräsidenten für Öffentlichkeitsarbeit, einen Referenten für Öffentlichkeitsarbeit und einen Geschäftsführer, der dem Vernehmen nach Öffentlichkeitsarbeit als sein Hoheitsgebiet betrachtet. Ullrich Krause sollte das genannte Trio schleunigst sortieren und einnorden, damit es nicht mit Kompetenz- und Hierarchiefragen Zeit verschwendet, sondern sich Wichtigem zuwendet: Schach ins Gespräch bringen. 

Überdies haben sie beim DSB mit Arne Jachmann jetzt auch einen Pressesprecher, der per Berufsdefinition für die öffentliche Darstellung seines Arbeitgebers und die Medienarbeit zuständig ist. In allen anderen Unternehmen und Verbänden auf der Welt hat im Tagesgeschäft der Pressesprecher das Sagen. Beim Schachbund scheint das alles andere als eindeutig zu sein, sonst wäre der Pressesprecher auf der DSB-Website sofort zu finden, nicht über den Umweg > Schachbund > DSB > Geschäftsstelle > Ansprechpartner und dort auch noch unter ferner liefen und ohne Handynummer.

Vielleicht ist Cieslik über dieser Gemengelage schon frustriert, bevor er angefangen hat? Im November hat er sich jedenfalls erkennbar als jemand präsentiert, der Dinge bewegen möchte.   

Geibel scheint angesichts dieser Gemengelage eher verwirrt zu sein, verständlich. Er fordert vom Referenten für Öffentlichkeitsarbeit Antworten auf seine Fragen. Aber der Referent arbeitet eher konzeptionell, begleitet Veranstaltungen, ist an der Schachfront tätig. Oder? Genau wissen wir das nicht, vielleicht ist es generell in Vergessenheit geraten, es gab ja seit langem keinen Referenten für Öffentlichkeitsarbeit mehr.

Fragen beantworten jedenfalls andere, traditionell der Pressesprecher. Und der sollte stets auf der Agenda haben, wenn offene Wunden Fragen im Raum stehen, und sich dann bemühen, sie vorsorglich wegzumoderieren. Sonst tauchen diese Fragen irgendwann ungesteuert auf irgendwelchen Schach-Tickern auf und bringen Unruhe. So wie jetzt.

Schauen wir uns an, was Henning Geibel von Cieslik wissen will:

„Er könnte verkünden, welches Präsidiums-Mitglied des DSB denn nun den Präsidenten bei Abwesenheit vertritt.“

Gute Frage!

Beim Kongress wurde Klaus Deventer zum Stellvertreter des Präsidenten gewählt, nun wurde Deventer nachträglich aus dem Präsidium gewählt. Seitdem ist der „Stellvertreter des Präsidenten“ vakant.

Wir haben jemanden gefragt, der sich mit Satzungen und Paragrafen auskennt, und der sagte, es sei nicht so leicht, auf Anhieb zu sagen, wie sich diese Sache auflösen lässt. Da müsse er erstmal selbst seine Paragrafen studieren. Wir vermuten, dass sie beim DSB selbiges auch noch tun und Bescheid geben, sobald Bruhn, Birkholz oder Weyer als Stellvertreter gekürt sind. 

„Er könnte der interessierten Leserschaft verraten, warum Auslandsturniere seit einigen Wochen nicht mehr DWZ-ausgewertet werden und was der DSB dagegen zu tun gedenkt.“

Heiße Kiste!

Wer es nicht gesehen hat, dieses tauchte neulich kurz auf der Seite des Badischen Schachverbands auf, wurde aber bald gelöscht:

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Dem Vernehmen nach schwelt der Streit zwischen den genannten Herren schon länger. Der eine wertet seit langem alles aus, was ihm in die Finger kommt, der andere mahnt seit langem, dass das wegen diverser formaler Implikationen nicht einfach so geht. Es steht auch die Frage im Raum, ob Auslandsturniere überhaupt für die DWZ gewertet werden sollten. 

Die Sache ist so aktuell, dafür gibt es noch keine Lösung. Auch hier nehmen wir im Sinne des DSB an, dass daran gearbeitet wird. 

„Er könnte verraten, warum der DSB nun einen Deutschland-Cup in Magdeburg veranstaltet, obwohl es ein solches Turnier bereits seit Jahren zeitgleich in Wernigerode gibt, das sich größter Beliebtheit erfreut.“

Heiße Kiste!

Dirk Jordan hat angekündigt, dass der beliebte Deutschland-Cup 2019 natürlich wieder in Wernigerode stattfindet. Das haben sie beim DSB nicht ertragen, darum das Gegenturnier in Magdeburg, ein verständlicher Reflex. Wir wollen darauf nicht weiter herumreiten und hoffen einfach mal, dass der DSB 2020 in dieser Sache zur Besinnung kommt.

Zu diesem Thema hätte Henning Geibel am 8. Juli auf dieser Seite lesen können:

Einem in Wernigerode etablierten und beliebten Turnier eines mit demselben Konzept in unmittelbarer Nachbarschaft entgegenzusetzen, entspricht offensichtlich nicht Grundsätzen wie „Verbreitung des Schachs“ oder „Dienstleistung für Schachspieler“, die im DSB-Leitbild festgeschrieben sind. Hier geht es einzig darum, einer Jordan-Veranstaltung das Wasser abzugraben.

„Er könnte auch berichten, wie es in der neuen Saison mit der DSAM weitergeht und wie die bisherigen Pläne dazu aussehen.“

Gehen Ihnen schon die Themen aus, Herr Geibel? Wir wüssten da einige deutlich explosivere Fragestellungen.

Aber gut, er hat ja Recht. Es wäre an der Zeit, die Fortsetzung anzukündigen. Für potenzielle Mitspieler steht auf der Website der DSAM nicht einmal ein Hinweis, dass Details zur kommenden Serie bald folgen, da sind wir dann wieder beim Handwerkszeug: Wer 2019/20 mitspielen will und die Website besucht, der bleibt ratlos zurück.

Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft 2018/19, heißt es allgemein, ist jedenfalls super gelaufen. Und das ist bemerkenswert angesichts der Kürze der Zeit, in der Marcus Fenner und seine Leute so eine Veranstaltungsreihe aus dem Boden stampfen mussten. Zuletzt war zu hören, dass die Planung für 2019/20 vor dem Abschluss steht. Wir gehen davon aus, dass es dieses Mal noch besser wird als zuletzt. 

Abschließend stellt Herr Geibel fest:

„Ich bin gespannt, in welche Richtung sich die Öffentlichkeitsarbeit des DSB weiter entwickeln wird. Zur Zeit gibt der vortreffliche Frank Hoppe dafür sein Bestes. Hoffen wir, dass ihn Herr Cieslik bald spürbar entlasten kann.“

Herr Cieslik wird Herrn Hoppe nicht entlasten, weil die beiden Herren für unterschiedliche Baustellen zuständig sind, das müsste schon klar geworden sein, oder? 

„Vortrefflich“ beschreibt Frank Hoppe vortrefflich, aber unvollständig. Hinsichtlich Arbeitskraft,  Engagement und Liebe zum Schach ist Frank unersetzlich. Diese geballte Hoppepower müsste mal jemand im Sinne des Schachs effizient kanalisieren. 

3 Kommentare zu „Wer Thomas Cieslik ist und was Henning Geibel von ihm wissen will

  1. Die fehlenden DSAM-Termine sind eine Katastrophe. Wir wollten ein regionales Jugendschnellturnier ursprünglich an einem anderen Termin machen, wußten aber nicht, ob uns da die DSAM in die Quere kommt, womit uns wohl die Teilnehmer des zweitgrößte Vereins im Bezirk weggebrochen wären. Im Ergebnis kam dann nur ein Termin an einem Samstag vor den Mannschaftskämpfen in Frage. Ich muß jetzt hoffen, daß mein Mitstreiter seinen Schichtdienst an diesem Tag getauscht bekommt, sonst habe ich ein Problem. Und die Vellmarer Schachtage, wo wir eigentlich gezielt die relevanten Leute aus der Region ansprechen wollten, haben wir mit der Ausschreibung verpaßt.Zudem hat ein Vereinskamerad von mir, der wohl alle DSAM-Turniere mitspielen will,Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber, weil er seinen Urlaub längst hätte einreichen sollen.

    Ich fand das ja eine große Leistung, das man es im letzten Jahr überhaupt geschafft hat, die DSAM noch stattfinden zu lassen. Aber so wie dieses Jahr darf das nicht laufen. Die Termine müssen bekannt sein, bevor die frühesten Sommerferien beginnen, also spätestens Mitte Juni.

    Gefällt 1 Person

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