Machtkampf im deutschen Schach: Pfenning oder Krause?

Beim Deutschen Schachkongress im Juni wird es zu einer Kampfabstimmung um das Spitzenamt im deutschen Schach kommen. Uwe Pfenning, Präsident des Badischen Schachverbands, kandidiert für das Amt des DSB-Präsidenten. Der Soziologe aus Baden wird Amtsinhaber Ullrich Krause herausfordern. Teil von Pfennings Mannschaft wird voraussichtlich Ralf Chadt-Rausch vom Schachbund NRW sein. Weitere Mitstreiter für sein Schattenpräsidium hat Pfenning noch nicht benannt.

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Uwe Pfenning. (Foto: Wikipedia)

Lange hatte es geheißen, Michael Langer, Landespräsident in Niedersachsen, würde beim Kongress das amtierende Präsidium herausfordern. In einem Video-Interview bei ChessBase stellte Langer nun klar, dass er keinerlei DSB-Ambitionen hegt. Langers Absage soll für Pfenning den Ausschlag gegeben haben, nun selbst zu kandidieren, um den Wählern eine Alternative zum amtierenden Präsidium zu bieten.

Pfennings Kandidatur ist in erheblichem Maße eine Folge des Skandals um Dirk Jordan, der im vergangenen Jahr das deutsche Schach erfasste und nun ein Dutzend Juristen beschäftigt. Der mit Pfenning befreundete Dresdner Schachverkäufer hatte als Organisator der Deutschen Amateurmeisterschaft Hotelprovisionen für sich behalten, die er aus Sicht seines Auftraggebers, des DSB, nicht hätte behalten dürfen. Im Raum steht ein mittlerer sechsstelliger Euro-Betrag.

Eine E-Mail-Anfrage dieser Seite an Pfenning zu seiner Kandidatur blieb unbeantwortet. Anderen Schachfreunden gegenüber begründet Pfenning seine Ambitionen so, dass er sich für den „Fall Jordan“ mitverantwortlich fühlt und die Angelegenheit nun reparieren wolle. Als 2016 aus dem „Ramada-Cup“ die „Amateurmeisterschaft“ wurde, hatten Pfenning und Chadt-Rausch für den DSB mit Jordan die neuen Verträge ausgehandelt. Auch in denen war – wie in den Jahren zuvor – offenbar nicht explizit festgeschrieben, dass jegliche Einnahmen aus dem Turnier dem Auftraggeber zustehen, nicht dem Organisator.

Als die Unregelmäßigkeiten jetzt auffielen, drängte Pfenning den DSB, sich nicht von Jordan zu trennen. Aber der Verband tat das Gegenteil, belangte Jordan juristisch und organisierte die Amateurmeisterschaft fortan auf eigene Faust. Seitdem das Band zu Jordan gekappt ist, fällt der Badische Schachverband auf Bundesebene in erster Linie durch strikte Opposition zum DSB auf, eine „Fundamentalopposition“, wie Beobachter sagen.

Der DSB, ein reformbedürftiger Apparat

Fast 150 Jahre nach seiner Gründung präsentiert sich der Deutsche Schachbund als reformbedürftiger Apparat. An gutem Willen vieler Streiter für das Schach fehlt es nicht, aber Verzagt- und Trägheit sind so fest im System verankert, dass sie jeglichen Enthusiasmus leicht ersticken. Abseits des guten Willens würde es nicht schaden, die im Verband vorhandenen Schacharbeiter nach Talent, Fähigkeit und Handwerkszeug einzusetzen und einzubinden, anstatt sie zum Dillettieren zu zwingen. Und sollte sich Berlin einmal zu einer Entscheidung durchringen, dann geht nicht viel ohne den guten Willen der mächtigen Landesfürsten, deren Popo durchgehend gezuckert werden muss, damit ja keiner querschießt.

Hierarchische, ehrenamtliche Verbandsstrukturen, nicht nur im Schach, bergen die Gefahr, dass eitle Quatschköpfe ohne Macherqualität und Stallgeruch an die Spitze des Systems geraten, auf Ämter fixierte Leute, die in erster Linie Ansprachen halten und fürs Pressefoto posieren möchten. Sogar an der Spitze eines der beiden größten deutschen Landesverbände steht so ein ins Amt verliebter Funktionär, jemand, der (das zeigte seine Neujahrsbotschaft 2019) kaum einen kohärenten Gedanken fassen, kaum einen Satz unfallfrei formulieren kann. Jemand, der öffentlich Spalterei betreibt, anstatt zu vereinen.

Staub abschütteln, durchregieren

Die kommende Wahl ist wichtig. Während sich der DSB jetzt vom größten Skandal seit langem (jemals?) erholen muss, gilt es zugleich, endlich den Staub abzuschütteln und offensiv die Botschaft zu verbreiten, was für eine großartige, verbindende, segensreiche Sache Schach ist. Obendrein würde es helfen, fände sich ein Kandidat mit der Kraft und dem Willen, national einfach mal durchzuregieren, vielleicht sogar jemand, der international relevante Signale aussendet, anstatt hinterherzulaufen, um Deutschland im Konzert der Schachnationen aus der Bedeutungslosigkeit zu führen. Einen Quatschkopf kann sich das deutsche Schach gerade nicht leisten, dafür gibt es zu viele Baustellen.

Also: Pfenning oder Krause?

Wer das Wirken Uwe Pfennings betrachtet, dem fällt dessen Gabe auf, engagierte Macher um sich zu scharen. Ob wir nun nach Karlsruhe, Baden-Baden oder Heitersheim schauen, im Badischen Land sind die verschiedensten Schach-Leuchttürme entstanden, wie es sie anderswo nicht im entferntesten gibt, getragen von tatkräftigen Leuten, die wissen, was sie tun. Solche Leute einzubinden, anstatt sie mit Verstaubtheit und Beratungsresistenz abzuschrecken, ist speziell im Schach eine bemerkenswerte Leistung.

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Dieser badische Schach-Leuchtturm strahlt stets zu Ostern besonders hell. (Foto: Schormann)

Wer sich nun bei diesen Leuten nach ihrem Landespräsidenten erkundigt, der hört in erster Linie Kritik. Pfenning rede viel, mache wenig, lade gerne zum Essen ein und sei in erster Linie aufs Repräsentieren, daneben auf Verbandsstrukturelles wie das Einrichten von Ausschüssen und Kommissionen fokussiert, weniger auf das Schach an sich. In der Tat sind in der jüngeren Vergangenheit wenige originäre Ideen Pfennings nach außen gedrungen – außer natürlich der, dass der DSB in der Affäre Jordan alles falsch gemacht habe. Würde ein DSB-Präsident Pfenning dieses alte Fass wieder öffnen, das wäre ein schädlicher Schritt zurück.

Was Krause von Pfenning lernen könnte

Ideen sind das Pfund von Ullrich Krause. Während rückwärtsgewandte Schächer die darbenden Vereine stärken wollen, indem sie Online-Schach als Teufelszeug deklarieren, verbindet Krause beide Welten, der einzig richtige Weg. Die DWZ-Lizenz, die deutsche Online-Meisterschaft gehen in diese Richtung, ja, sogar in Richtung eSport schielt der Amtsinhaber. Nur steht der mit limitierter Macht, limitierten Mitteln und limitiertem Personal da – und kompensiert diese Defizite nicht ideal. Mal will Krause alles am liebsten selbst machen und verzettelt sich in Micromanagement, das zu nichts führt, mal hält er sich raus und lässt seinen Apparat machen, was auch zu nichts führt.

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Ullrich Krause. (Foto: Wikipedia)

Um seine Ideen effektiv und schnell umzusetzen, bräuchte Krause einen Adjutanten, der die vom Präsidenten vorgegebenen Prioritäten abarbeitet und vorantreibt, ungeachtet der Verzagtheit des Apparats und der Unbeweglichkeit von Landesfürsten. Krause kann zwar auf DSB-Geschäftsführer Marcus Fenner zurückgreifen, aber der führt nun einmal das Tagesgeschäft und ist als Folge der Jordan-Affäre ansonsten ausgelastet damit, die Deutsche Amateurmeisterschaft neu auf die Beine zu stellen und auf Facebook zu verbreiten, wie toll das funktioniert.

In Sachen Adjutant könnte Krause vom Politiker Uwe Pfenning lernen: Der hat mit Irene Steimbach in Baden eine tatkräftige, uneitle Zuarbeiterin an seiner Seite installiert. Aber anders als der nach Ämtern strebende Pfenning ist der freundlich-milde Krause eben kein Politiker, sondern Schachspieler. Würde der DSB-Präsident seine Zeit in erster Linie beim Verhandeln mit den osteuropäischen Bulldozern des Schachs verbringen, wahrscheinlich wäre der mit gepflegten Intrigen und gerissenem Ausbooten vertraute Pfenning tatsächlich die bessere Wahl.

Andererseits ist Krause derjenige mit den Ideen, die das deutsche Schach voranbringen würden. Was fehlt, sind Leute, die ihm effizient helfen.

15 Kommentare zu „Machtkampf im deutschen Schach: Pfenning oder Krause?

  1. Der DSB – Präsident ist abhängig von den Landesfürsten, die Landesfürsten von den Verbandsvorsitzenden, die Verbandsvorsitzenden von den Bezirksvorsitzenden.
    In meinem Schachbezirk scheitern Vorschläge, z.B. zu einem Trainingsbetrieb auf Bezirksebene
    mit einem Bezirkstrainer, zu einer Veränderung der Spielordnung (wg. offensichtlicher Benachteiligung und Ungleichbehandlung), regelmäßig in der Bezirksversammlung.
    Das DSB – Präsidium sollte in einem ersten Schritt eine einheitliche Spielordnung für alle durchsetzen. In meinem Schachverband gibt es einen Bezirk, der in der Bezirksliga mit
    6er Mannschaften spielt, in der Verbandsklasse spielen 8er Mannschaften.
    Das ist nur ein Beispiel, es gibt einige völlig absurde Regelungen.
    In einem zweiten Schritt sollte ein regelmäßiger Trainingbetrieb in allen Bezirken und Verbänden
    für Kinder und Jugendliche eingerichtet werden. Die erforderlichen Mittel werden über eine Beitragerhöhung zur Verfügung gestellt.
    Ich hatte in der Vergangenheit Gespräche über diese Vorschläge auf Bezirks – Verbands – u.
    Landesebene, und eine Realisierung dieser Vorschläge wurde auf allen Ebenen abgeblockt,
    unter anderem mit dem Argument, daß die Mitglieder eine Beitragserhöhung nicht akzeptieren.
    Ich denke, Veränderungen finden über bessere Rahmenbedingungen statt, die vom
    DSB – Präsidium geschaffen werden müssen. Der Einfluß der Bezirke, Verbände und Länder
    muß beschnitten werden, solange jede und jeder in seinem Bereich macht, was er will,
    sind durchgreifende Verbesserungen nicht möglich.

    Mit freundlichen Grüßen
    Eckhard Fischer

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    1. Aha. Was ist jetzt der Unterschied zwischen den „Landesfürsten“ und den Verbandsvorsitzenden? Und warum soll in einer tieferen Klasse mangels Masse und wenn es die Vereine wünschen nicht mit 6er Teams gespielt werden? Vieles verstehe ich nicht. Aber wir haben eine „föderale Struktur“ in Deutschland.

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      1. In NRW ist der Schachbund mit dem Präsidenten ( Landesfürst) die Dachorganisation, regional haben wir die Verbände, lokal die Bezirke.
        Eine 6er Mannschaft, die von der Bezirksebene in den Verband mit
        8er Mannschaften aufsteigt, hat sofort ein Problem mit der Aufstellung.
        Es gibt in den Bezirken und Verbänden immer wieder kampflose
        Partie, die Wettbewerb verfälschen und zu Benachteiligung führen.
        Das ist ein unhaltbarer Zustand und steht im Gegensatz zu der Präambel
        des DOSB, in dem der Deutsche Schachbund organisiert ist.

        Mit freundlichen Grüßen
        Eckhard Fischer

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      2. Aha, verstehe. Aber das ist dann eine Besonderheit von NRW, vielleicht auch noch von Bayern. Aber einen unhaltbaren Zustand kann ich darin beim besten Willen nicht erblicken. Oder treten die Liga-willigen Vereinsmitglieder in NRW immer zwangsläufig in Vielfachen von sechs oder acht Personen auf?

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      3. Laut Prämbel des DOSB muss Chancengleichheit hergestellt werden.
        Das ist z.B. nicht der Fall, wenn kampflose Brettpunkte, die bei Auf – oder
        Abstieg relevant werden, in der Zweitwertung als reguläre Punkte in die
        Tabelle eingehen.

        Mit freundlichen Grüßen
        Eckhard Fischer

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  2. LEIDER stößt das, was Schachfreund Fischer vorschlägt, auf absurde Angstblockaden im „Mittelbau“, also weniger bei den Landesfürsten und auch eher nicht so sehr bei den Clubvors., sondern in den ein, zwei verstaubten Ebenen dazwischen.
    Es gab noch um 1970 jede Menge altehrwürdiger Organisationen, in denen man den eigenen Untergang herbei führte, indem sozusagen vor Geiz starb. Natürlich müssen wir auch unsere Vorständler, Helfer usw. auf ALLEN Ebenen mit einem kleinen Honorar bedenken, Wir aber schrecken doch schon zurück, wenn es gilt, unseren Verein mit einem Trainings-Computer, einem Trainer usw. auszustatten!
    Training ist natürlich nicht nur für Kinder, Jugendliche etc. vonnöten, sondern auch für den handelüblichen 52jährigen – lernen können und müssen alle! Frag doch mal rum im Club, wie es um die Kenntnisse typischer, einfacher Turmendspiele (Philidor, Lucena, del Rio, …) bestellt ist … danach solltet Du besser gehen.
    Mir berichtete ein Bezirks-Chef, wie stolz er darauf sei, dass sein Verein ein Beitrags-Niveau von drei Euro mtl. habe! Das ist doch furchtbar! Was will der Club denn damit machen? Nötige Fortbildungen der Vorstandsmitgld., Ergänzung der Bibliothek des Vereins-Computers, …?

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  3. Seit Jahren ist zu beobachten das sich der DSB in Machtkämpfe verzehrt. Das geht zu lasten vom Tagesgeschäft und innovatives handeln.
    Statt alle in einem Boot und Kräfte bündeln drivtet alles auseinander. Was ist denn so falsch wenn Unregelmäßigkeiten aufgedeckt werden. Es geht doch nicht nur um den Betrag X sondern auch um Vertrauen, was man seinem Team schenken kann.

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  4. Warum bezeichnet und dramatisiert man es eigentlich als „Machtkampf“, wenn es bei einer Wahl mehrere Kandidaten gibt? Ob nun jetzt Pfenning oder Krause, oder zuvor Krause oder Bastian? Für mich ist das schlicht und ergreifend Demokratie.
    In der Politik ist es ja üblich, dass mehrere Parteien Regierungsverantwortung anstreben, und dass der Sieger dann (alleine oder in einer Koalition) knapp mehr als 50% erzielt. Im Sport ist es zwar – auf Vereins- oder Verbandsebene – oft der Fall, dass es nur einen Kandidaten gibt, und dass dieser dann fast einstimmig gewählt wird – „danke, dass Du dazu bereit bist“. Aber deswegen ist es nicht unbedingt richtig bzw. das Gegenteil (es gibt Alternativen) falsch?
    „Dieser badische Schach-Leuchtturm strahlt stets zu Ostern besonders hell“ – haben Uwe Pfenning und Wolfgang Grenke mehr gemeinsam als das Bundesland bzw. den Schachverband? Ist Badener generell besser als Schleswig-Holsteiner (oder Saarländer)?

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    1. Ja, der „Machtkampf“. Hatte ich hingeschrieben, dann gelöscht wegen clickbaity und Floskel, dann wieder hingeschrieben. Ich find’s in diesem Fall gerechtfertigt, weil der Text ja beleuchtet, dass Posten/Macht ein wesentlicher Antrieb für viele Funktionäre ist, auch für einen der beiden Kandidaten, die jetzt zur Wahl stehen.

      Die Leuchtturm-Anmerkung verstehe ich nicht.

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  5. Die Internetmeisterschaft ist meiner Meinung nach keine nach vorne gerichtete Innovation, sondern ein unnötiger Versuch etwas zum Laufen zu bringen, was schon mehrmals gescheitert ist.

    Internetschach ist eine wunderbare Sache, aber um Geld und Titel funktioniert das einfach nicht – ich möchte fast sagen es kann systembedingt gar nicht funktionieren!

    Die Krennwurzn hat dazu viele Artikel verfasst – der letzte am Faschingsdienstag diesen Jahres:
    https://www.schach-welt.de/BLOG/blog/ist-expandiert

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    1. Bliebe es bei einer isolierten Internetmeisterschaft, fände sich kein Spieler, der streamt, kein Portal, das berichtet, dann würde ich zustimmen: Totgeburt. Ich würd das Turnier als Beginn verstehen, als Fundament, das es mit Ideen zu füttern und zu begleiten gilt. Dann kann das etwas werden.

      Deine Auffassung, dass Internetschach um Geld und Titel nicht funktioniert, ist offensichtlich falsch. Titled Arena, Titled Tuesday, Pro Chess League und so weiter zeigen ja das Gegenteil. Jetzt kannst du dich online sogar für die 960-WM qualifizieren.

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  6. ** Offener Brief an die Mitglieder und Funktionäre des Deutschen Schachbunds **

    Am 1.Juni 2019 stehen beim Deutschen Schachbund richtungsweisende Neuwahlen an, welche für die Zukunft des deutschen Schachs von entscheidender Bedeutung sein werden. Zur Beurteilung der Hintergründe des zwischen dem amtierenden Präsidenten Ullrich Krause und seinem Herausforderer Uwe Pfenning tobenden Machtkampfs ist es unerlässlich, zunächst einmal einen Blick zurück zu werfen und sich an den gewaltigen Skandal zu erinnern, welcher die deutsche Schachszene im letzten Jahr heftig erschütterte.

    ** Der Korruptionsskandal Jordan **

    Die vom Präsidium des DSB am 22.10.2018 veröffentlichte Sachlage stellte sich wie folgt dar:
    • Unbestrittene Tatsache ist, dass der frühere ehrenamtliche DSAM Beauftragte Dirk Jordan das in ihn gesetzte Vertrauen über viele Jahre hinweg missbraucht, seine vorgesetzten Präsidenten belogen und erhebliche Geldsummen durch geheime Nebenabsprachen mit zahlreichen Hotels systematisch abgezweigt hat. Für jede einzelne Übernachtung hat er sich eine „Spende“ auszahlen lassen, die auf die Konten mehrerer (von ihm extra zu diesem Zweck gegründeten) angeblich gemeinnützigen Vereine flossen, welche vor der Aufdeckung des Skandals niemals in Erscheinung getreten waren.
    • Für diese Tatsachen sind eindeutige Beweise vorhanden, nämlich die Geheimverträge mit den Hotels, welche diese auf Druck des DSB offenlegen mussten.
    • Herr Jordan war als ehrenamtlicher Funktionär im Auftrage des Deutschen Schachbunds tätig, daher war es ihm selbstverständlich nicht gestattet, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Dies bedeutet, er muss alle zu Unrecht einkassierten Geldsummen mit Zins und Zinseszinsen zurückzahlen.
    • Durch diese illegalen Machenschaften ist dem DSB ein hoher finanzieller Schaden entstanden. Und dabei geht es nicht nur um die dem DSB zustehenden Hotelzahlungen.
    • Zusätzlich entstand ein erheblicher finanzieller Schaden durch die von Herrn Jordan zum Nachteil des DSB verhandelten Hotelverträge. Anstelle der Spendenzahlungen an sein Vereinsnetzwerk in Dresden hätte er als Beauftragter des DSB unbedingt einen (in der Hotelbranche allgemein üblichen) Anteil von kostenlosen Hotelzimmern für die DSAM Organisationsteams vereinbaren müssen. Rechnet man mit einem Dutzend Team-Mitgliedern und jeweils drei Übernachtungen pro Wochenende, dann kommt man in 10 Jahren auf einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag, um welchen der Deutsche Schachbund durch diese dubiosen Machenschaften geschädigt wurde.

    Wie man im Schach Magazin 64 nachlesen konnte, wurden diese „Spendeneinnahmen“ von Herrn Jordan keineswegs bestritten, doch will er angeblich nicht gewusst haben, dass diese Form der Selbstbereicherung rechtswidrig sei. Klingt dies wie eine überzeugende Entschuldigung? Aber warum hat er dann seine Fehler nicht eingesehen, und die zu Unrecht einkassierten Geldsummen einfach wieder herausgerückt? Anschließend scheint Herr Jordan eingesehen zu haben, dass diese Ausrede nicht wirklich überzeugend klang. Auf Anraten seiner Anwälte ist er zu einer anderen Verteidigungstaktik übergegangen. Er behauptet nun, dass frühere Vorstände von seinen verdeckten Provisionseinnahmen gewusst und diese angeblich geduldet haben sollen. Dies ist insofern recht spannend, wenn man sich daran erinnert, wer bis Mai 2017 für die DSAM zuständig war. Tatsächlich waren dies nämlich niemand anders als der Vizepräsident Finanzen Ralf Chadt-Rausch sowie der Vizepräsident Verbandsentwicklung Uwe Pfenning – letzterer ist nach eigenem Bekunden ein enger Freund von Herrn Jordan.

    Mittlerweile hat der Deutsche Schachbund gegen Dirk Jordan Strafanzeige erstattet. Parallel dazu laufen Zivilklagen auf Auskunftserteilung und Schadensersatz. Aufgrund der eindeutigen Beweislage bestehen nach meinem Dafürhalten sehr hohe Erfolgsaussichten für den Deutschen Schachbund, auch wenn sich das Verfahren vor Gericht lange hinziehen könnte.

    ** Gescheiterte Vergleichsbemühungen **

    Unsere traurige Geschichte ist damit aber noch lange nicht am Ende! Am 1.Dezember 2018 fand in Eisenach eine Hauptausschuss-Sitzung des DSB statt, bei welcher ein möglicher außergerichtlicher Vergleich zwischen dem DSB und Dirk Jordan im Mittelpunkt stand. Der nach meinen Informationen von den Herrn Ralf Chadt-Rausch und Uwe Pfenning ins Spiel gebrachte Vorschlag sah eine Einmalzahlung in einer deutlich fünfstelligen Höhe vor, für welche Herr Jordan nicht nur eine steuerabzugsfähige Spendenquittung (!) erhalten, sondern zusätzlich auch noch voll rehabilitiert werden sollte. Dieser „Vergleich“ wäre allerdings aus juristischen Gründen unzulässig gewesen, und darüber hinaus hätte er auch die Gemeinnützigkeit des Deutschen Schachbunds gefährdet. Mehrere Landesverbände sprachen sich deshalb empört dagegen aus und kündigten für einen solchen Fall sogar an, gerichtlich gegen das DSB Präsidium vorzugehen, da ein unbegründeter Forderungsverzicht in sechsstelliger Höhe nach geltendem Recht eine Veruntreuung von Verbandsgeldern darstellen würde.

    Wie soll man diese komplexen Vorgänge interpretieren? Die Ex-Vorstände Chadt-Rausch und Pfenning haben verständlicherweise sehr geringes Interesse daran, dass der Prozess DSB gegen Jordan öffentlich vor Gericht verhandelt wird, wo sie vermutlich als Zeugen für den Beklagten auftreten müssten. Dies könnte für sie zu einem äußerst problematischen Dilemma geraten, denn hätten sie die Selbstbereicherungen von Dirk Jordan nämlich bewusst geduldet, dann hätten sie sich mit größter Wahrscheinlichkeit der Beihilfe zur Untreue zulasten des DSB schuldig gemacht – die möglichen Konsequenzen kann man sich unschwer selbst ausmalen.

    Meiner Meinung nach würde ein außergerichtlicher Vergleich durchaus im Interesse aller Beteiligten liegen, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Zunächst müssten die Finanzen der diversen Vereine vollständig offengelegt werden (was Herr Jordan momentan strikt ablehnt), damit die tatsächlich geflossenen Beträge konkret beziffert und nicht nur geschätzt werden können. Danach könnte man Herrn Jordan vielleicht einen gewissen Nachlass einräumen, sofern dieser sich bereit erklären würde, einen angemessenen Vergleichsbetrag zeitnah an den Deutschen Schachbund zu erstatten. Von allen Ämtern innerhalb des deutschen Schachs sollte er vielleicht nicht lebenslang, aber zumindest für einen angemessenen Zeitraum ausgeschlossen werden.

    ** Ullrich Krause oder Uwe Pfenning – wer soll neuer DSB Präsident werden? **

    Uwe Pfenning – Pro und Contra

    PRO: In einem lesenswerten Artikel bei „Perlen vom Bodensee“ schreibt Conrad Schormann, dass Pfenning‘s besondere Gabe darin besteht, engagierte Macher um sich zu scharen. Besonders gut soll er sich auf interne Verbandsstrukturen verstehen, wie das Einrichten von Ausschüssen und Kommissionen. Als ein „mit gepflegten Intrigen und gerissenem Ausbooten vertrauter Politiker“ erscheint Uwe Pfenning – laut Schormann – für knallharte Verhandlungen auf höheren Weltverbands-Ebenen besser gerüstet als der freundliche Schachspieler Ullrich Krause.

    CONTRA: Uwe Pfenning soll – laut Schormann – seine Ambitionen auf die DSB Präsidentschaft so begründet haben, dass er sich für den Fall Jordan mitverantwortlich fühle, und die Angelegenheit nun gerne „reparieren“ wolle. Aber gerade dies ist gleichzeitig sein großer Schwachpunkt, denn wie weiter oben erwähnt befindet sich der Badener in einem unauflöslichen Interessenkonflikt zwischen den berechtigten Forderungen des Deutschen Schachbunds (welche er ja als Präsident zu vertreten hätte) und dem gleichzeitigen Wunsch nach Entlastung seines engen Freundes Dirk Jordan. Wie in aller Welt soll das denn funktionieren?

    Ullrich Krause – Pro und Contra

    PRO: Erneut möchte ich Conrad Schormann zitieren: „ Ideen sind das Pfund von Ullrich Krause. Während rückwärtsgewandte Schächer die darbenden Vereine stärken wollen, in dem sie Online-Schach als Teufelszeug deklarieren, verbindet Krause beide Welten, der einzig richtige Weg. Die DWZ-Lizenz, die deutsche Online Meisterschaft gehen in diese Richtung.“
    Von Ullrich Krause stammt auch die richtungsweisende Idee des Deutschen Schachgipfels bzw. Schachkongress. Diese sportliche Großveranstaltung wird allen Hindernissen und Unkenrufen zum Trotz am 25.Mai 2019 in Magdeburg beginnen. Mit über 500 Teilnehmern und einem Budget in mittlerer sechsstelliger Höhe handelt es sich um eine sportliche Großveranstaltung, wie es sie in Deutschland in dieser Art schon lange nicht mehr gegeben hat. Nur sehr wenige hätten dies dem DSB noch vor einem Jahr zugetraut. Die Umsetzung der Veranstaltung in Magdeburg liegt in den Händen des neuen Geschäftsführers Dr. Marcus Fenner, der auch schon die Neuaufstellung der DSAM erfolgreich realisiert hat.
    Dass der amtierende Präsident gemeinsam mit seinem Vizepräsidenten Klaus Deventer unter größten Anstrengungen die korrupten Strukturen im Deutschen Schachbund bekämpft (und hoffentlich auch beseitigt) hat, wurde bereits ausführlich geschildert.

    CONTRA: Laut Schormann ist der amtierende Präsident kein typischer Politiker, sondern ein „freundlich-milder Schachspieler“. Kritisiert wird, dass er am liebsten alles selbst machen will und sich dabei gelegentlich verzettelt – vielleicht fehlt ihm die notwendige Unterstützung, oder er hat es bisher versäumt, sich diese zur Seite zu stellen.
    Angeblich soll Krause weniger gut vernetzt sein als sein Kontrahent. Dies scheint so nicht zuzutreffen, denn wie man weiss unterhält er exzellente Kontakte zu Bachar Kouatly (dem FIDE Vizepräsident) und vor allem dem neuen FIDE Präsidenten Arkady Dvorkovich, mit dem er in Karlsruhe intensive Gespräche über potentielle gemeinsame Projekte führte.

    Der Schachjournalist Conrad Schormann hat zum Machtkampf zwischen Krause und Pfenning etwas ziemlich Bemerkenswertes geäußert: „In der Tat sind in der jüngeren Vergangenheit wenige originäre Ideen Pfennings nach außen gedrungen – außer natürlich der, dass der DSB in der Affäre Jordan alles falsch gemacht habe. Würde ein DSB-Präsident Pfenning dieses alte Fass wieder öffnen, das wäre ein schädlicher Schritt zurück.“

    Für nicht weniger problematisch halte ich im Übrigen die für viele sehr überraschende erneute Kandidatur von Ralf Chadt-Rausch, der nach seiner Wahl im Mai 2017 nach nicht einmal vier Monaten von seinem Amt zurücktrat und den DSB schmählich im Stich ließ. Meiner Meinung nach bedeutet das Antreten eines so wichtigen Ehrenamtes eine große Verantwortung, man sollte schon zumindest eine Amtsperiode durchzuhalten, wenn nicht sehr schwerwiegende private Gründe dagegensprechen. Dass Herr Chadt-Rausch jetzt noch einmal kandidieren will, nachdem er im September 2017 von genau demselben Amt ohne Angabe solcher Gründe zurückgetreten ist, finde ich – vorsichtig ausgedrückt – ziemlich befremdlich.

    Nach mehr als 50 Jahren als Mitglied in mehreren Schachvereinen und früher sehr aktiver Turnierspieler möchte ich mir ein persönliches Urteil erlauben, und dabei kann ich Herrn Schormann nur beipflichten. Ein Präsident Uwe Pfenning würde für den Deutschen Schachbund einen Rückschritt in die Vergangenheit darstellen. Seine wichtigste Priorität, nämlich die „Reinwaschung“ eines mit ihm befreundeten mutmaßlichen Wirtschaftskriminellen würde auf gewaltige Widerstände innerhalb des Schachverbands stoßen, mit großer Wahrscheinlichkeit eine Prozesswelle auslösen, und in letzter Konsequenz die Gefahr einer Aufspaltung herbeiführen. Die hervorragende Arbeit der letzten zwei Jahre droht vernichtet zu werden, wenn das erfolgreiche Team abspringen und sich die gerade neu gewonnenen Sponsoren wieder abwenden würden.

    Dipl.-Ing. Ossi Weiner (München)

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  7. Ich zitiere von Herrn Ossi Weiner
    April 29, 2019 um 1:19 pm
    „Wie man im Schach Magazin 64 nachlesen konnte, wurden diese „Spendeneinnahmen“ von Herrn Jordan keineswegs bestritten, doch will er angeblich nicht gewusst haben, dass diese Form der Selbstbereicherung rechtswidrig sei.“

    Ich möchte den Richter sehen, der diese Erklärung von DJ für glaubwürdig hält.
    DJ schließt offizielle Verträge mit den Hotels ab und dann noch mindestens einen weiteren, geheimen und nicht bekannten Vertrag, der die Nebengeräusche regelt.
    DJ war Organisator der Schacholympiade, war/ist Geschäftsführer diverser Firmen, war/ist Vorsitzender verschiedener Vereine, hat wohl Erfahrung mit Insolvenzen (Causa Jelissen) und war Funktionär im DSB bezüglich der DSAM.
    Sollte so eine Person nicht hinreichend Kenntnisse und Erfahrungen haben, was laut BGB, HGB und StGB geht und was nicht? Schwer nachzuvollziehen, daß Dj das nicht gewusst haben mag.

    Mich würde in der ganzen Geschichte auch die Rolle bzw. der Kenntnisstand der (alten) DSB-Präsidien interessieren. Nichts mitbekommen, keine Vermutungen? Ich gibt ja im Schach nicht so viele Möglichkeiten Geld zu verdienen, aber die Masche „Turnier&offizielles Spielerhotel -> Funktionäre verdienen mit“ ist ja nicht ganz neu, weder in Deutschland, noch Europa, noch in der Welt. Das Rad wird nicht neu erfunden, die Blaupläne und das Muster sind bekannt.
    War der DSB so blauäugig zu glauben, daß DJ die ganze Sache nur ehrenamtlich durchführt (von Kosten- und Aufwandspauschalen mal abgesehen) und nicht daran verdienen möchte? Wie gutmütig, gutgläubig, unerfahren, desinteressiert und/oder blind muß man da sein?

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  8. Außerdem behauptet Herr Jordan, dass er sich gar nicht persönlich bereichert hätte, weil die ganzen Geldsummen nicht in seine eigene Tasche sondern an angeblich „gemeinnützige Vereine“ geflossen wären.

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