Superstart in Batumi: Deutschland vorne, Indien, Russland, China dahinter

An jedem Brett ein Weltklassemann. China, Russland und Indien sollten bei der Schacholympiade in Georgien ganz vorne stehen. Aber nach fünf Runden müssen sich diese großen Drei hinter Deutschland einsortieren.

Die deutsche Nationalmannschaft hat in Batumi einen Traumstart hingelegt. Nach den favorisierten Ungarn besiegte die Großmeistergarde von Bundestrainer Dorian Rogozenco auch Moldawien. In der sechsten Runde am Sonntag wartet mit den Israelis, angeführt vom mehrfachen WM-Kandidaten Boris Gelfand, wieder ein dicker Brocken.

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Punktgleich mit den topgesetzen USA auf Rang fünf, unter anderem vor Indien, China, Russland. So kann es weitergehen. (Tabelle: chess-results.com)

Apropos Bundestrainer. Welche Bedeutung der beim Schach hat, lässt sich an der Aufstellung der Deutschen gegen Moldawien mit dem ehemaligen Weltklassespieler (und Dortmund-Sieger) Viorel Bologan ablesen. Rogozenco hatte entschieden, seine Nummer eins Liviu Dieter Nisipeanu pausieren zu lassen. Dafür rutschte der 70 Elo schwächere Youngster Rasmus Svane in die Mannschaft, und Georg Meier rückte ans erste Brett vor.

Eine Schwächung? Im Gegenteil, ein kluger Schachzug. Auf diese Weise würde der in Galaform spielenden Daniel Fridman ans dritte Brett rücken und hätte dort mit den weißen Steinen die Gelegenheit, ein weiteres Massaker anzurichten. Seine 20 Jahre jüngeren, eröffnungstheoretisch hochversierten Kollegen Matthias Blübaum und Rasmus Svane bekämen Schwarz, würden sich aber nicht aufs Eröffnungsglatteis führen lassen.

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Georg Meier (r.) an Brett eins, Nisipeanu auf der Tribüne: Obwohl die Bermuda-Party erst am Abend stieg, sah die deutsche Großmeisterriege schon mittags vor Beginn des Matches gegen Moldawien müde aus. Aber der Eindruck täuscht. (Foto: Maria Emelianova/Chess.com)

Und Georg Meier? Der ist zwar nicht als Weiß-Killer bekannt, aber ein Remis am ersten Brett wäre ja in Ordnung, wenn Fridman wieder zuschlägt und Blübaum und Svane halten.

Natürlich ist jeder Plan nur so lange gut, bis die Schlacht beginnt. Dass Meier in einem optisch vorteilhaften, ober objektiv nur ausgeglichenen Endspiel sich überambitioniert Probleme einhandelte, war wahrscheinlich nicht geplant. Das entstehende Turmendspiel hätte er halten können, aber Menschen sind eben keine Tablebases.

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31.Dxd4 wäre Pflicht gewesen. Per 31.Sxc8?? einen Turm einzusacken, war zu gierig von Rasmus Svanes Gegner. Der Deutsche zog 31…Da2 und gewann.

Andererseits hatte der Moldauer Trainer wahrscheinlich auch nicht geplant, dass sich am vierten Brett Großmeister Swetuschkin gegen Rasmus Svane arg mühen musste, um mit Weiß die Balance zu halten. Das gelang ihm zwar für einige Zeit, aber dann übersah er einen Zwischenzug, der eine Figur und damit die Partie kostete. Und ob er mit dem Remisschluss an Brett zwei einverstanden war? Blübaum war damit im Plan, aber in der Schlusstellung hätte Weiß durchaus noch wühlen können, anstatt in eine Zugwiederholung einzuwilligen.

Und auch Daniel Fridman war im Plan. Er kam schon mit Raumvorteil aus der Eröffnung (wieder so ein raffiniertes frühes a2-a3 wie gegen Ungarn), baute diesen stetig aus, und am Ende stand auf Seiten seines Gegners wieder eine Niederlage, ohne jemals auch nur in die Nähe von Gegenspiel gekommen zu sein. Fridmans Bilanz bislang: vier Partien, vier Siege, Elo-Leistung 3.266.

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Die entscheidende Figur im Hintergrund: Bundestrainer Dorian Rogozenco erfreute sich gegen Moldawien an einem weiteren, scheinbar mühelosen Sieg von Großmeister Daniel Fridman. (Foto:  Maria Emelianova/Chess.com)

Im Hause Fridman liegt Daniel damit klar vor seiner Gattin Anna, obwohl auch die im Batumi von sich reden macht. Anna Zatonskih verwaltet das erste Brett des US-Frauenteams und verbreitet dort Angst und Schrecken: 4,5 Punkte aus 5 Partien.

Auf die Deutschen wartet nun Israel, und wir dürfen prognostizieren, dass Liviu Dieter Nisipeanu wieder mit von der Partie sein wird. An einem guten Tag sollte Nisipeanu gegen Gelfand bestehen können. Weiter unten in der Hackordnung kommt es womöglich zum Großmeisterduell Fridman gegen Tamir Nabaty.  Letzterer hat zwar auch 2.700 Elo, aber dass das Fridman keine Angst machen muss, hat er ja schon gegen Ungarn gezeigt.

Außerdem kennt er Nabaty von der jüngsten Europameisterschaft. Dort hatte er den Israeli an der Endspiel-Angel, ließ ihn aber ins Remis entschlüpfen. Das Match Deutschland gegen Israel wäre eine prima Gelegenheit, dieses Versehen nachträglich zu korrigieren.

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