Tok, tok, tok: Besser Schach spielen dank Specht-Prinzip

Wer beim Schach besser werden möchte und sich fragt, wie das geht, der wende sich an den schwedischen Großmeister Hans Tikkanen. Der hat nämlich jetzt eine unfehlbare Methode präsentiert, die viele Schachspieler preisen und die auch bei ihm selbst zum Erfolg geführt hat: Das Specht-Prinzip („The Woodpecker Method“).

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GM Hans Tikkanen. (Foto: Lars OA Hedlund)

2010 war Tikkanen schon seit Jahren Internationaler Meister, als er seine Methode ersann und sie beim Training konsequent anwandte. Wenig später gelang es ihm, binnen sieben Wochen drei Großmeisternormen zu erzielen, sich den höchsten Titel im Schach zu sichern und seinen Elo auf 2.600 zu schrauben.

Mit seinem Großmeisterkollegen Axel Smith (Autor ebenfalls gepriesener Bücher wie „Pump up your Rating“ und „e3 Poison„, die auf dieser Seite bei Gelegenheit näher vorgestellt werden) hat Tikkanen aufgeschrieben, wie das Specht-Prinzip funktioniert und liefert das komplette Trainingsprogramm noch dazu. „The Woodpecker Method“ ist eines der heißesten Schachbücher auf dem Markt, seitdem es dieses Jahr erschien.

Das Ei des Kolumbus? Ja und Nein.

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Wie jedes andere Trainingsprogramm ist auch das Specht-Prinzip mit Arbeit verbunden. Wer hofft, sich das Buch unters Kopfkissen legen zu können, und dann werden die Elopunkte schon irgendwie ins Gehirn einsickern, der wird mit diesem und jedem anderen Schachbuch keinen Erfolg haben. Aber wer dranbleibt, der sollte bald Fortschritte verbuchen, vielleicht sogar, wer weiß, drei GM-Normen binnen zwei Monaten.

Im Prinzip basiert das Specht-Prinzip darauf, Folgen von nach Schwierigkeit und Thema sortierten Taktikaufgaben wieder und wieder zu lösen, und das immer schneller unter Zeitdruck. Wer das durchzieht, so Tikkanen, der schärft am Brett seine taktische Schlagkraft, seine Intuition und begeht obendrein weniger taktische Fehler. Wenn wir uns jvor Augen führen, dass selbst auf der Meisterebene die Mehrzahl aller Schachpartien durch taktische Fehler entschieden wird, dann ahnen wir, welche Spielstärkesprünge so ein Trainingsprogramm ermöglicht.

Die Methode ist bewährt und bekannt, aber niemand hat ihr je einen so einprägsamen Namen gegeben

Das Ei des Kolumbus also? Ja und nein. Das Prinzip, durch Widerholung Motive und Muster ins Gehirn zu brennen, ist so naheliegend, dass es natürlich nicht Hans Tikkanen erfunden hat. Schon in der guten, alten russischen Schachschule absolvierten die Jungs und Mädchen in den Pionierpalästen ihr Taktik- und Rechentraining unter den Gesichtspunkten Wiederholung und Zeitdruck. Wer es genau erfunden hat, ist kaum zu ermitteln, aber sicher ist, dass die Methode lange vor dem jetzt erschienenen Buch mehrfach von anderen Autoren beschrieben worden ist. Auf der russischen Schule basierende kommerzielle elektronische Taktiktrainer haben sie sogar eingebaut. Auch die aufkommende Online-Trainingsplattform Chessable funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip: Drill per Wiederholung.

Tikkanens Leistung besteht darin, ein komplettes Taktik-Programm als Buch zusammenzustellen – darauf war in dieser Form bislang niemand gekommen. Außerdem hilft es natürlich, dass er selbst dank seines Programms erstaunliche Erfolge vorzuweisen hat. Obendrein ist ihm noch ein Name eingefallen, der hängen bleibt. „The Woodpecker Method“ klingt so einprägsam, da springt sogar der Weltmarktführer als Trittbrettfahrer auf, um seiner (potenziellen) Kundschaft mitzuteilen, dass sich mit Hilfe von Fritz jeder daheim selbst ein Specht-Programm basteln kann.

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Prinzip Wiederholung – damit hebt sich die Seite Blitztactics von anderen Taktiktrainern im Internet ab.

In der Welt des Online-Schachs gibt es eine kaum zu überschauende Zahl an Taktik-Trainern, aber die allermeisten bieten keine Option an, gelöste Aufgaben zu wiederholen. An genau dieser Stelle hebt sich die Open-Source-Seite Blitztactics von anderen ab. Sie ermöglicht eher keine Sprünge vom IM- auf das GM-Level, aber sie bricht das Specht-Prinzip für Normalsterbliche vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen herunter. (Edit, 8. September: Das https-Zertifikat der Seite ist abgelaufen. Sollte Euer Computer melden „keine sichere Verbindung“, könnt Ihr das in diesem Fall ruhigen Gewissens ignorieren.)

„Repetition“ (Wiederholung) heißt der an der „Woodpecker Method“ orientierte Teil dieser auf drei Trainingssäulen fußenden Taktikseite. Mach Dir einen Account (dafür ist keine E-Mail erforderlich), dann beginnst Du auf Level 1 mit einem Satz Anfänger-Aufgaben: Matt in 1, gelegentlich eine Gabel oder ein Spieß. Die Aufgaben wiederholen sich so lange, bis Du jede von ihnen schnell lösen kannst. Dann wirst Du für Level 2 freigeschaltet.

Video: Training auf Blitztactics

Dort sind die Aufgaben dann einem spezifischen Thema zugeordnet (Gabeln) und schon ein bisschen kniffliger als in Level 1. Und wieder gilt das gleiche Prinzip: so lange wiederholen, bis Du sie alle schnell lösen kannst. Wer Level 2 geschafft hat, dem wird danach keine Gabel mehr entgehen (hoffentlich), und der kann sich auf Level 3 stürzen.

Und so geht es weiter, angeblich über 65 Level. Ob das stimmt, oder ob neue dazugekommen sind, wissen wir noch nicht, aber wir werden das herausfinden, und Du kannst zuschauen – und Dich an gelegentlicher Schachblindheit des Schreibers dieser Zeilen erfreuen. Der wird Level für Level durchackern, und zumindest die ersten werden als Video auf unserer Youtube-Seite erscheinen.

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Ein Kommentar zu „Tok, tok, tok: Besser Schach spielen dank Specht-Prinzip

  1. ein interessanter Artikel! jedoch müsste auch geklärt werden, wie man die Taktikaufgaben löst. Ich empfehle in meinem Blog (www.improveinchess.wordpress.com) jede Aufgabe am Brett aufzustellen. Ich kenne sehr gute Trainer, die die Aufgaben blind lösen lassen, oder zuerst das Brett aufstellen und dann blind lösen lassen. Wiederum andere, empfehlen die Stellung der Taktikaufgabe anzuschauen, ohne Diagramm aufzustellen und dann zu lösen.

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