Ein 14-Jähriger im Wettstreit mit der Weltklasse – das gab es schonmal

Schachfestival Biel, Juli 2005: Ein Spieler mit vergleichsweise bescheidenen 2.528 Elo hat im Feld der Ausnahmekönner eigentlich nichts verloren. Trotzdem beschließen die Organisatoren, dass der 14-jährige Magnus Carlsen mitspielen darf, das erste Top-Einladungsturnier für den Norweger überhaupt. Zwar wird der junge Großmeister am Ende Letzter (4 aus 10, 8 Remis, 2 Niederlagen) im Feld der Gelfands und Nakamuras, aber das war ja nur der Anfang einer großen Karriere. Zwei Jahre später gewinnt Carlsen Biel zum ersten Mal, und noch einmal sechs Jahre später ist er Weltmeister.

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Biel 2005: (von links) Hikaru Nakamura, Yannick Pelletier, Magnus Carlsen, Christian Bauer, Andrei Volokitin und Boris Gelfand.

Grenke Chess Classics, Ostern 2019: Ein Spieler mit vergleichsweise bescheidenen 2.500 Elo hat im Feld der Ausnahmekönner eigentlich nichts verloren. Aber die Organisatoren haben nun einmal festgelegt, dass der Sieger des Grenke-Opens im Jahr darauf das Einladungsturnier mitspielen darf. Und es ist ja nicht irgendein 2.500-Spieler, der nun bei den ganz Großen mitmischen möchte. Für den 14-jährigen Vincent Keymer ist der Wettstreit in Karlsruhe das erste Top-Einladungsturnier überhaupt. Zwar wird er im Feld der Carlsens und Caruanas Letzter, aber das ist ja nur der Anfang einer großen Karriere.

Vincent Keymer zögert noch, stählt sich aber schon

Ja, der Absatz vor diesem ist unserer Fantasie entsprungen. „Noch nicht entschieden“ sei seine Teilname am Grenke Chess Classic 2019, sagte Keymer jetzt am Rande der U-18-Mannschafts-EM. Aber es deutet alles darauf hin – und das ist gut so.

Sein Schachprogramm für 2018 hat Vincent Keymer gezielt darauf ausgerichtet, sich mit möglichst starken Gegnern messen zu können. Außerdem: Schachlich gibt es keinen Grund, 2019 in Karlsruhe nicht anzutreten, aber 1.000 gute Gründe, diese großartige Chance wahrzunehmen.

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Watch out, Magnus! Vincent Keymer während seiner letzten Partie beim Grenke Open 2018 gegen den Ungarn Richard Rapport. (Foto: Souleidis/Grenkechess)

Nicht nur Keymer, auch die weniger im Rampenlicht stehenden deutschen Schachhoffnungen nutzen den Sommer 2018, um sich am Brett zu stählen. Dazu kommen noch Weltklasseveranstaltungen.

Oktober 2018, Isle of Man: die ersten 2.800er vor der Flinte

Wer als Schachfan dieser Tage daheim sitzt, weiß gar nicht, wo er zuerst zuschauen soll. Es gibt ja viel mehr als das Turnier in Biel, bei dem Magnus Carlsen einem weiteren Sieg entgegeneilt.

In Dänemark läuft das Xtracon-Open, bei dem nach vier Runden unter anderem ein gewisser Vincent Keymer mit 4/4 mit an der Spitze liegt. Im Feld finden sich neben vielen weiteren Deutschen anderem die Gebrüder Svane, Großmeister Rasmus (21) und sein sieben Jahre jüngerer Bruder Frederik, der gerade Richtung Elo 2.300 marschiert.

Dazu kommt noch das Open im tschechischen Pardubice, das traditionell eine große deutsche Delegation anzieht. Hier ist unter anderem der ehemalige U-16-Weltmeister Roven Vogel mit von der Partie.

Mitte August wird Keymer wie viele andere Landsleute beim Open in Barcelona spielen, dessen mit 2.600-Großmeistern gespickte Setzliste noch von der deutschen Nummer eins Liviu-Dieter Nisipeanu angeführt wird.

Im Oktober folgt das Open auf der Isle of Man, wo der junge Deutsche erstmals den einen oder anderen 2.800er vor die Flinte bekommen könnte. Vorjahressieger Magnus Carlsen wird zwar wegen seines anstehenden WM-Kampfs in London nicht mit von der Partie sein, aber ein Preisfonds von 144.000 Pfund macht das Turnier auch für Top-10-Spieler interessant.

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