In Bamberg am Brett: die deutschen Schachhoffnungen

Im internationalen Vergleich ist das Bamberg-Open sportlich nicht weiter erwähnenswert. Ja, nicht einmal national ragt es heraus, viele andere Turniere sind besser besetzt. Und doch sollten Schachfreunde aus Deutschland ab dem 9. Mai nach Bamberg schauen. Die Hoffnungsträger des deutschen Schachs werden am Start sein, allen voran Vincent Keymer, der nach seinem Sensationssieg beim Grenke-Open nun zeigen muss, dass er unter der Last der auf ihm ruhenden Erwartungen nicht zerbricht.

Umbruch bei der Nationalmannschaft?

Wenn im September 2018 die Schacholympiade in Batumi (Georgien) beginnt, dann werden für Deutschland bewährte Kräfte am Brett sitzen: Nisipeanu, Blübaum, Meier, Fridman. Eine respektable Truppe allemal, aber kaum ein Medaillenkandidat. Wer weiß, wie sich die Aufstellung der Nationalmannschaft 2022 lesen wird? Womöglich ja Donchenko, Kollars, Keymer, Vogel, Blübaum? Und vielleicht ist dann eine Medaille drin?

Vor dem Anpfiff in Bamberg (und bevor wir die Partien unter die Lupe nehmen) stellen wir die vier Hoffnungsträger im Kurzporträt vor. Und wir entschuldigen uns vorab bei GM Leon Mons und IM Christopher Noe, dass sie hier angesichts ihres fortgeschrittenen Alters von 23 und 22 Jahren nicht vorkommen. Mögen sie das Feld in Bamberg aufmischen, dann ändert sich das ganz schnell!

GM Alexander Donchenko (20), Elo 2.587

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Alexander Donchenko

In Moskau geboren zu werden, ist nicht der schlechteste Beginn für eine Schachkarriere. Wenn dann noch der Vater Internationaler Meister und obendrein Schachlehrer ist, dann scheint der Weg geebnet. Seit 2002 lebt die Familie in Gießen, wo Donchenko 2015 sein Abitur gebaut hat.

In Deutschland gilt Donchenko als eines der größten Talente. Er ist eines der Mitglieder der „Prinzengruppe“, die der Schachbund gründete, um solche Talente gezielt zu fördern. Donchenko hat im Lauf der vergangenen Jahre manches Open gewonnen, auch stärkere als das in Bamberg, wo er der nominell beste Teilnehmer ist. Doch sein Elo-Aufschwung ist zuletzt ein wenig ins Stocken geraten. Womöglich knackt er jetzt erstmals die 2.600.

GM Dimitrij Kollars (18), Elo 2.541

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Dimitrij Kollars

Einer der ganz wenigen Deutschen, die frühzeitig alles auf die Karte Schach setzen. Nach dem Abschluss der 10. Schulklasse vor drei Jahren entschied Kollars, Schachprofi zu werden. Das ist eine riskante Entscheidung, zumal in Deutschland. Aber als Kollars wenig später knapp am U16-Weltmeistertitel vorbeischrammte, war das ein Indiz, dass er es packen kann.

Seitdem reist er von Turnier zu Turnier und sammelt stetig Elo-Punkte. 2018 lief bislang sehr ordentlich für den Sohn einer Musikerfamilie. Unter anderem gewann er ein GM-Turnier in Aarhus und wurde 13. beim Grenke-Open mit starken 7/9.

Nachtrag, 6. Mai: Dimitrij ist leider erkrankt und hat das Turnier in Bamberg kurzfristig absagen müssen.

Roven Vogel (17), Elo 2.449

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Roven Vogel

Ganz plötzlich geriet der Name Roven Vogel 2015 auf die deutsche Schach-Landkarte. Mit sechs Siegen am Stück in den finalen sechs Runden sicherte sich der junge Deutsche den U-16-Weltmeistertitel, ein überraschender Erfolg, mit dem Roven selbst am wenigsten gerechnet hatte. Von sich reden machten danach auch seine Eltern. Ihre öffentliche Erklärung zum Stand des Leistungsschachs in Deutschland benennt in aller Deutlichkeit die Defizite in der Organisation und Förderung, mit denen sich Talente abseits ihres Trainings herumplagen müssen.

Nach Bamberg kommt Roven Vogel als amtierender Deutscher U-18-Meister, der schnell aus einem kleinen Leistungsloch klettern möchte. Die 2.500 Elo waren schon fast geknackt, da suchte ihn ein Formtief heim und warf ihn ein wenig zurück.

Vincent Keymer (13), Elo 2.443

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Vincent Keymer

Wahrscheinlich der einzige der vier Genannten, dessen Name auch dem Schachunkundigen etwas sagt. Nach Keymers Sensationssieg beim Grenke-Open haben überregionale Zeitungen berichtet, das Fernsehen auch, und Schachdeutschland jubilierte. Bei so viel Freude wird leicht übersehen, was für einen gewaltigen Ausreißer Vincent in Karlsruhe hingelegt hat, wie günstig manche seiner Partien lief. Vielerorts war die Frage nicht mehr, ob dieser bemerkenswerte junge Mann der nächste deutsche Schachweltmeister wird, sondern wann.

In Bamberg wird er kein 2.800-Turnier spielen, und wer das dann mit Enttäuschung registrieren sollte, der hat den Schuss nicht gehört. Aber vielleicht kann Vincent ein gewichtiges Wort bei der Debatte um den Turniersieg mitreden. Wir drücken ihm ebenso die Daumen wie allen anderen genannten Teilnehmern.

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