AlphaZero für alle: Leela lernt Schach, und das schnell

Wer Leela besiegen möchte, der sollte sich beeilen. Noch liegt ihre Spielstärke bei etwa 1.800 Elo, aber sie wird jeden Tag besser. In einem Jahr könnte sie bei 3.800 stehen, womöglich eher. Leela soll so gut werden, dass niemand sie besiegen kann, weder Mensch noch Maschine. Nicht einmal AlphaZero.

Leela lernt, indem sie gegen sich selbst spielt und anhand von Erfolg oder Misserfolg der getroffenen Entscheidungen austüftelt, was gute Züge sind und was nicht. Leela lernt nach dem gleichen Prinzip wie AlphaZero, die Entwicklung der Google-Tochter DeepMind, die Ende 2017 das beste jemals auf dem Planeten Erde gespielte Schach produzierte.

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Leela lernt Königssicherheit: Je mehr das Programm gegen sich spielt, desto öfter rochiert es, bevorzugt kurz.

Als AlphaZero das bis dahin beste Schachprogramm Stockfish in einem Wettkampf deklassiert hatte, stand sofort die Frage im Raum, wann es einen AlphaZero fürs heimische Laptop geben würde.

Jahre werde das dauern, ein Jahrzehnt womöglich, hieß es angesichts der ebenso speziellen wie leistungsfähigen Hardware unter der AlphaZero-Haube. Diese Prognosen sind überholt.

Schnell fand sich im Internet eine Gruppe von Enthusiasten, die das DeepMind-Projekt mit konventionellen Mitteln simulieren und nach Möglichkeit ein noch besseres Ergebnis erzielen will. Anders als das bestens gehütete AlphaZero ist LeelaZero ein Open-Source-Projekt, offen und einsehbar für jedermann. Wer mag, beteiligt sich, wer nur mit Leela spielen möchte, kann das auch.

Eine Frage der Hardware: Was AlphaZero in vier Stunden lernte, soll Leela in 400 Tagen lernen

Über AlphaZero kursierte die Schlagzeile, dass sich die Maschine in vier Stunden Schach viel besser beigebracht hatte, als es die Menschheit in vierhundert Jahren vermochte. Aber die oft zitierten vier Stunden sind vor allem ein Indiz für die gewaltige Rechenpower, die DeepMind zur Verfügung stand. 44 Millionen Partien hat AlphaZero in dieser Zeit absolviert.

Die Macher vom Leela-Projekt schätzen, dass sie mit ihrer gegenwärtigen Hardware etwa 400 Tage brauchen, um auf 44 Millionen Partien zu kommen. Aber sie hoffen, diese Zeit zu reduzieren, indem sie Menschen dafür gewinnen, ihnen Rechenzeit auf deren Computern zu schenken. Und dann, wer weiß, beschenkt uns Leela unterm Weihnachtsbaum mit ein paar Schachlektionen der höheren Art.

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Leela lernt Entwicklung: Am Anfang einen oder zwei Bauern ziehen, dann die Springer raus, danach die Läufer. Die Dame fasst Leela in den ersten Zügen kaum einmal an.

Den Otto-Normalschachspieler ohne gesteigertes Interesse am Computerschach sollte weniger die Aussicht auf annähernd göttliche Spielstärke entzücken denn die Option, dass sich Leelas Können schon jetzt beliebig reduzieren lässt, ohne dass ihr Spiel unnatürlich wirkt.

Programmierer konventioneller Schachsoftware haben nie das Problem gelöst, das Level ihrer 3.500-Elo-Monster künstlich zu drosseln. Bei einem auf 1.500 gedeckelten Houdini oder Komodo wechseln sich schlicht grässliche Patzer mit großmeisterlichen Zügen ab, und der Gegner merkt, dass er es mit einer künstlich verdummten Maschine zu tun hat. Leela lässt sich drosseln, indem der Benutzer die Version anhand ihres Lernfortschritts wählt. Eine auf 1.500 gedeckelte Leela spielt durchgängig wie ein Mensch, der noch nicht so viel über Schach gelernt hat, das fühlt sich gleich ganz anders an.

Website des Leela-Projekts

Gegen Leela spielen

Reddit-Thread mit mehr Informationen über LelaZero

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7 Kommentare zu „AlphaZero für alle: Leela lernt Schach, und das schnell

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