Heimspiel für Caruana gegen Carlsen? US-Schachmäzen will das WM-Match in die USA holen

sinquefield
Rex Sinquefield

(Finale (?) Aktualisierung, 30. März:

World Chess möchte das Gerücht einer WM-Verlegung aus der Welt haben. Per Twitter garantiert der Schach-Veranstalter der FIDE, dass das Match in London steigt, siehe Tweet am Ende dieses Textes)

Der Milliardär Rex Sinquefield ist das Gesicht des US-amerikanischen Schachaufschwungs, der jetzt zum ersten WM-Match eines Amerikaners seit fast 50 Jahren geführt hat. Seinem Schützling Fabiano Caruana möchte Sinquefield ein Heimspiel gegen Magnus Carlsen verschaffen. „Ergäbe sich eine Gelegenheit, würde ich das Match nach St. Louis holen“, sagte Sinquefield, noch bevor Caruana seine finale Partie und damit das Kandidatenturnier gewonnen hatte.

(Update 28.März: Jetzt taucht das Gerücht, St. Louis wolle London mit einem deutlich höheren Gebot ausstechen, auch auf CBS auf.)

Sein Einfluss darauf, das Match kurzfristig von London in die Schachstadt St. Louis zu verlegen, sei allerdings gering, räumte Sinquefield ein. Der Schachweltverband FIDE und dessen Veranstalter Agon hätten die Rechte. „FIDE und Agon sind jetzt am Zug.“ Er könne nur anbieten, mit Freude einzusteigen, gebe es seitens der Organisatoren ein Signal von der Themse an den Mississippi. Generell mache es ihn überaus glücklich, dass mit Fabiano Caruana endlich wieder ein Amerikaner um den Titel spielt. „Darauf habe ich seit Bobby Fischers Zeiten gewartet.“

„Schach muss endlich professionell organisiert werden.“

Sinquefield machte im Interview auf dem St.-Louis-Schachkanal deutlich, dass er die FIDE eher als Hort des Chaos sieht denn als durchorganisierten Verband. Womöglich breite sich dieses Chaos ja so schnell aus, dass ein neuer Organisator gefunden werden muss. Ihm sei aber eher daran gelegen zu helfen, Dinge in geordnete Bahnen zu führen, anstatt zuzuschauen, wie das organisierte Weltschach implodiert.

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Während Rex Sinquefield dafür warb, das WM-Match nach St. Louis zu holen, sah der US-Schachverband den Wettkampf in London.

„Schach muss endlich professionell organisiert werden“, assistierte Exweltmeister Gary Kasparow. „Rex wäre dafür der Richtige.“ Kasparow verwies auf die desaströse Organisation in Berlin und auf manchen misslichen Umstand, der das WM-Match 2016 in New York begleitet habe. Anzeichen, dass beim WM-Match 2018 auf einmal alles besser wird, sieht Kasparow nicht.

Kasparow: „Von der FIDE, wie sie jetzt ist, sollten wir die Finger lassen.“

Zugleich warnte Kasparow davor, sich mit FIDE/Agon ins selbe Boot zu setzen. Deren Mittel stammten aus zwielichtigen Quellen, dazu die Geldwäsche-Vorwürfe gegen FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinow. „Davon sollten wir die Finger lassen.“ Aber würde der Weltverband den Willen zu Reform und Transparenz zeigen und die Hilfe von Sinquefield annehmen, „dann würde ich ein Match Carlsen-Caruana in St. Louis sofort unterstützen“.

Im November 2017 hatte Agon verkündet, dass London den Zuschlag für das WM-Match 2018 bekommen hat. Ein Spielort in der englischen Hauptstadt ist laut Yasser Seirawan/CBS noch nicht gefunden, offizielle Quellen haben bislang stets London genannt, aber sich nie festgelegt, wo in London das Match steigen soll.

Agons Mitteilung von November 2017, das Match sei nach London vergeben, war nach dem Ende des Kandidatenturniers auf der Agon-Seite nicht mehr zu finden. Das kann ein Indiz sein, kann aber auch mit den notorischen Übertragungs- und Webdesign-Problemen von Agon zusammenhängen.

agonlondon.jpg

Vielleicht gibt ja am Ende tatsächlich das Geld den Ausschlag. Für seine bisherigen Veranstaltungen hat Agon bislang stets nur den Minimal-Garantiepreisfonds zusammenkratzen können. Alle Versuche der FIDE-Tochter, Schach-Übertragungen zu monetarisieren, scheiterten derweil krachend; sie führten zu Anwaltskosten statt Einnahmen. Wahrscheinlich ist das Gerücht über die finanziell missliche Lage des Schach-Veranstalters nicht aus der Luft gegriffen.

Würde nun Rex Sinquefield ein substanziell höheres Angebot machen, als es für eine WM in London auf dem Tisch liegt, wer weiß?

Update 29. März:

Vom St. Louis Chess Club gibt es jetzt eine offizielle Stellungnahme:

Update 30. März:

…und dann begegnet uns dieses Facebook-Fundstück von Anfang März, laut dem der Austragungsort in London doch feststeht. Nicht irgendein Ort, sondern das Google-Hauptquartier. Das Team des britischen Schach-Multifunktionärs und -Organisators Malcolm Pein habe diese Information durchsickern lassen.

google headquarter.jpg

Wir haben natürlich nachgefragt. Malcom Peins Kommentar: „Aprilscherz.“

pein twitter google.jpg

Laut WorldChess wird es jedenfalls London. Mit dieser getweeteten Garantie will der WM-Veranstalter das Gerücht aus der Welt schaffen:

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